Dieter Ernst äußert sich zu Kritik

Leiter der Erich-Kästner-Schule: Vorteile stärker herausstellen

Spricht von einem guten Angebot: Dieter Ernst, Leiter der Baunataler Erich-Kästner-Schule. Foto: Jünemann

Baunatal. Die Schülerzahlen der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Baunatal sinken, während die Theodor-Heuss-Schule (THS) – die andere Gesamtschule in der Stadt – immer mehr Zulauf verzeichnet. Zudem wird öfter Kritik am Zeitmodell der EKS laut.

Wir sprachen darüber mit Schulleiter Dieter Ernst.

Herr Ernst, wieviel Schüler hat die Kästner-Schule aktuell?

Dieter Ernst: 718 – da ist aber bis Ende August noch Bewegung drin.

Wie erklären Sie sich den Rückgang um knapp ein Drittel, nachdem es 2009 noch 1000 Schüler waren?

Ernst: Auf die Veränderung der Schullandschaft haben wir keinen Einfluss. Wir hatten seit 2005 steigende Zahlen. Der enorme Einbruch kam 2011, als die Nachbarschule, mit der wir übrigens ein gutes Verhältnis haben, von der verkürzten Schulzeit G8 auf G9 zurückging.

Eine Prognose besagt sogar: Es werden 2015 nur noch knapp 400 Schüler sein, während die THS dann immer noch fast 1000 hat, sofern das Einwahlverhalten der Eltern bleibt wie bisher.

Ernst: Einwahlverhalten ist schwer vorauszusagen. Unsere Zahlen haben den Schulentwicklungsplan von 2002 bis vergangenes Jahr immer übertroffen. Der Einfluss von G8 oder G9 auf das Einwahlverhalten ist offensichtlich groß. Über unser Angebot sind möglicherweise auch nicht alle Eltern richtig informiert.

Was tut die Erich-Kästner-Schule gegen den Schülerrückgang?

Ernst: Wir müssen unser Profil schärfen und die Vorteile stärker herausstellen, zum Beispiel die Durchlässigkeit des integrierten Systems. Es hält die Entscheidung über den späteren Bildungsweg länger offen. Bei uns schaffen außerdem mehr als 95 Prozent der Schüler einen Abschluss.

Warum ist die THS offenbar attraktiver?

Ernst: Dazu kann ich nichts sagen. Es ist immer eine Entscheidung für ein Schulsystem, darauf haben wir wenig Einfluss. Auch ziehen bestimmte Eltern andere oft mit. Beide Schulen machen ein gutes Angebot.

Wo liegen Stärken der EKS?

Ernst: Wir haben seit vier Jahren ein neues pädagogisches Konzept. Dazu gehören Jahrgangsteams, so dass es die Schüler eines Jahrgangs mit wenigen Lehrern zu tun haben. Die Zusammenarbeit und die Betreuung sind dadurch sehr viel intensiver. Der Klassenlehrer bleibt in der Regel bis zur zehnten Klasse. Wir haben auch versucht, den Schulalltag zu entschleunigen. Dazu gehört der offene Anfang, der die Leistungskurve von Schülern berücksichtigt. Das Kollegium hat sich stark verjüngt und ist sehr engagiert.

Was sind Schwächen?

Ernst: Darüber spricht man selbst nicht so gern. In den vergangenen drei Jahren waren wir stark mit uns selbst beschäftigt. Auch sind Interna in die Öffentlichkeit geraten, wir wurden in ein schiefes Licht gerückt. Über unser Zeitmodell kursieren falsche Angaben, es gibt zum Beispiel keinen Nachmittagsunterricht bis 17.30 Uhr. Eine stärkere Werbung für die Schule und ihr Konzept wäre erforderlich gewesen.

Die EKS bietet einen offenen Anfang von 7.35 bis 8.20 Uhr an: Wie wird das genutzt?

Ernst: Wir haben das 2010 genau untersucht. Es gab über 70 Prozent Zustimmung der Eltern, und mehr als 70 Prozent der Schüler haben das Angebot auch genutzt.

Kritiker unter den Eltern sagen: Das Angebot ist Augenwischerei. Wer auf den Bus angewiesen ist, muss früh kommen oder eine umständlichere Verbindung in Kauf nehmen?

Ernst: Die Schule hat auf die Busverbindungen wenig Einfluss. Es gibt ja keine echten Schulbusse mehr. Aber es ist nur ein Teil der Schüler auf den Bus angewiesen. Es gibt viele, die das Angebot flexibel nutzen.

Was sagen Sie zu Überlegungen, an die EKS eine Grundschule anzubauen, um die Platznot der THS zu lindern?

Ernst: Wir sind offen für jede Lösung, die dazu beiträgt, die Schulsituation in Baunatal zu entspannen. Entrüstung gibt es nicht. Vor zwölf Jahren hatten wir hier an der Schule selbst schon einmal eine solche Idee.

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