Berahna Massoum stellt Plastiken und Zeichnungen im Vellmarer Rathaus aus

Die Dimension des Strichs

Kunstwerke müssen manchmal erklärt werden: Berahna Massoum mit zwei seiner neuen Stücke, die im Vellmarer Rathaus zu sehen sind. Foto: Sebastian Dilling

Vellmar. In seiner Heimat Afghanistan kann man für die Art, wie er Kunst macht, mit dem Tod bestraft werden. Berahna Massoum ist Bildhauer. „Ich gebe dem Strich eine Dimension“ sagt er. Massoum modelliert menschliche Körper. Das verbietet in seiner Heimat die Religion.

Seine neue Ausstellung „12“, die ab heute im Vellmarer Rathaus zu sehen ist, besteht aus Kleinplastiken und Zeichnungen, die seinen kritischen Blick auf die Welt widerspiegeln.

Die Plastik, die für seine ganze Ausstellung steht, heißt „Charakter“, ein Würfelgebilde, das nicht so richtig stabil zu sein scheint. „Der Charakter eines Menschen besteht aus verschiedenen Positionen, verschiedenen Standpunkten“, sagt Massoum. Der Mensch bestehe aus Ecken und Kanten. Man müsse den Schwerpunkt finden, die Basis, „wo es nicht mehr wackelt“. Mit seinem „tiefen Blick“ zerlegt Massoum die Bestandteile eines Charakters oder eines Gegenstands. Er richte immer einen Blick auf das, was normalerweise verborgen bleibt.

Gefühle müssen einfließen

So beschreibt sich Massoum als Gründer des Psychorealismus. Bei dieser Form des Porträtierens gehe es darum, die Psyche, den Charakter eines Menschen einzufangen.

Dabei malt der 1958 geborene Massoum nicht einfach den Menschen, den er vor sich hat. Er setze sich mit der Person zusammen, rede mit ihr und versuche, sie zu verstehen.

Die Gefühle der Person müssen in das Bild einfließen und erkennbar sein. Massoum hat schon sehr früh, mit fünf Jahren, seine künstlerische Ader entdeckt. Mit einer Medizinprofessorin als Mutter und einem Flughafendirektor als Vater wuchs Massoum in einer intellektuellen Familie in Kabul auf. Trotzdem war sein Vater immer skeptisch. Er hätte seinen Sohn lieber einen anderen Weg gehen sehen.

Er war auch skeptisch, als sein Sohn nach dem Kunststudium in Moskau nicht nach Afghanistan zurückkam, sondern nach Deutschland auswanderte, weil er für sich keine gute Zukunft sah in seiner Heimat. Sein Vater war überzeugt, er würde immer Ausländer bleiben und sich nie richtig integrieren können.

Die Kunst sei aber eine Brücke zwischen Kulturen, sagt Massoum. Mit seiner Arbeit habe er sich bestens integriert. So ist er auch im deutschen Künstlerlexikon mit Biografie vertreten.

Von Sebastian Dilling

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