Diskussion über Stromtrasse Suedlink: Bürger stochern im Nebel

Voller Saal: Das Interesse der Bürger an der geplanten Stromtrasse Suedlink ist groß. Die Besucher erhofften sich Antworten von der Planungsfirma Tennet. Fotos: Dilling

Baunatal. Die vom Stromnetzbetreiber Tennet ins Spiel gebrachte neue Variante einer Gleichstromtrasse, die durch Schauenburg und Baunatal verlaufen würde, stößt anscheinend im Bauna-Tal auf einhellige Ablehnung bei den Bürgern.

Das ist zumindest das Fazit der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Stadtverordnetensaal, bei der ein Vetreter von Tennet Rede und Antwort stand.

Dr. Christoph Thiel, Vertreter von Tennet, sah sich schnell einer Flut von Fragen gegenüber: Er halte die Gleichstromtrasse, die den elektrischen Strom von den Windkraftparks an der Küste vom schleswig-holsteinischen Wilster bis ins bayerische Grafenrheinfeld transportieren soll, für überflüssig, die Planung komme fünf Jahre zu spät, sagte Hartmut Schwerd aus Baunatal, der sich als Gegner der Energiewende insgesamt präsentierte. Sebastian Kellner aus Baunatal wollte wissen, warum Tennet plötzlich die Trasse nach Osten und damit ins Baunatal verschoben habe. Er verstehe das auch nicht, meinte Detlev Morawietz. Schauenburg sei schon durch die Nähe der Autobahn stark belastet. Ob denn der Strom über zwei Kabeltrassen transportiert werde, fragte Erdmute Hoeft aus Elmshagen. „Wen die auf beiden Seiten Breitenbachs vorbeilaufen, das wäre gruselig“, sagte sie. Zumindest in diesem Punkt konnte Thiel beruhigen. Es werde nur eine Trasse geben. Allerdings könne es nur im Ausnahmefall eine Erdverkabelung geben, um Anwohner zu entlasten, erklärte er. Warum nun gerade die Trasse durchs Bauna-Tal verlaufen soll, darauf erhielten die Bürger keine Antwort, die sie befriedigte. 43 Kriterien seien berücksichtigt und unter anderem „Raumwiderstände“ umgangen worden. Und überhaupt: Die Würfel für die eine oder andere Variante seien ja noch gar nicht gefallen. Erst in etwa anderthalb Jahren werde das Hauptverfahren der Genehmigung mit konkreten Verläufen starten, sagte Thiel. Uwe Nitzovsky (Großenritte) ließ das nicht gelten. Er verstehe nicht, dass Tennet in einem millionenschweren Planungsverfahren nicht in der Lage sei, genaue Karten über die Baunatal-Variante vorzulegen.

Thiel wies die Vermutung Schaubs zurück, es gewinne derjenige, der am lautesten schreie. Von „Seilschaften“, die für eine Verschonung bestimmter Gebiete verantwortlich seien (so die Mutmaßung von Detlev Morawietz) könne schon gar keine Rede sein.

Von Peter Dilling

Von den über 150 Besuchern meldeten sich nur die Gegner dieser Variante zu Wort, an der Spitze Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD). Dieser kündigte an, die Sadt werde Widerspruch einlegen.

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