– Förderverein sammelte Geld

Nach fast 100 Jahren: Hertingshäuser Kirche hat wieder eine Turmuhr

Neuer Zeitmesser: Am Turm der Hertingshäuser Kirche kann man nun nicht nur die Zeit ablesen, hier war es genau Mittag, die Uhr schlägt außerdem die Stunde. Fotos: Jünemann

Baunatal. Die Hertingshäuser hören jetzt regelmäßig, was die Stunde geschlagen hat. Nach fast einem Jahrhundert Unterbrechung hat der Kirchturm wieder eine Uhr mit Schlagwerk.

Der Förderverein der Elisabethkirche hatte Geld gesammelt, um den Zeitmesser anzuschaffen und einzubauen. Das kostete 5500 Euro.

Ein schwarzes Zifferblatt mit lateinischen Zahlen in Gold prangt nun über der Kirchentür. Eine solche Uhr, die zur vollen und halben Stunde schlägt, gab es seit dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) nicht mehr. Vermutlich ist die alte Turmuhr damals für Kriegszwecke eingeschmolzen worden, sagt Pfarrerin Corinna Luttropp-Engelhardt: Aber im Detail sei deren Schicksal nicht mehr nachzuvollziehen.

Auf jeden Fall war das Loch für die Uhr noch vorhanden, notdürftig mit Brettern geschlossen. Küsterin Gertrud Sinning empfindet das neue Zifferblatt deshalb auch so, „als wenn es schon immer dahin gehörte.“ Das alte, metallene Uhrgestänge ist ebenfalls noch vorhanden, doch zu verwenden war es wegen seines hohen Gewichts nicht, berichtet Herbert Krug, Vorsitzender des Fördervereins.

Der Verein sammelte 6000 Euro für die neue Zeitanzeige und die Umgestaltung des Kirchgartens. Unter anderem flossen 3000 Euro aus dem Vereinswettbewerb „Sterne des Ehrenamts“ der Raiffeisenbank Baunatal in den Topf.

„So eine Gemeinde braucht einfach eine Uhr.“

„So eine Gemeinde braucht einfach eine Uhr“, sagt Krug. Seit Sonntag ist sie nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Von 7 bis 22 Uhr gibt die Zahl der Schläge die Zeit an – um 9 und um 21 Uhr schlägt sie also zum Beispiel neun Mal. Alle halbe Stunde ertönt darüber hinaus ein einzelner Schlag.

Um 7 Uhr, um 12 und um 18 Uhr kommen die beiden Glocken des Turms dazu. Die erklingen zudem weiterhin zu allen Gottesdiensten, erläutert Pfarrerin Luttropp-Engelhardt.

Bevor die funkgesteuerte Uhr durch die Ulmer Fachfirma Hörtz installiert werden konnte, was vier Tage dauerte, musste nicht nur Geld gesammelt werden. Wegen der baulichen Änderung im Gotteshaus waren auch Gespräche mit der Landeskirche nötig.

Ein Computer steuert den Zeitmesser, programmiert bis weit in die Zukunft. Die Pfarrerin augenzwinkernd: „Die Uhr weiß die nächsten 50 Jahre, wann sie läuten muss.“ Und: „Sie schmückt die Kirche“, so Küsterin Sinning. Dieser Meinung schlossen sich am Sonntag bei Gottesdienst und Fest zur Einweihung die meisten Besucher an.

Der Förderverein hat nun ein gemeinsames Vorhaben mit der Stadt auf der Agenda. Das Ehrenmal für die Opfer von Krieg und Gewalt soll bis zum Volkstrauertag im November renoviert und umgesetzt werden, auch soll es barrierefrei erreichbar sein. Danach seien Kirche und Gelände in gutem Zustand, sagt Krug: „Eine kleine, feine Einheit.“

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