Dorfentwicklung: Land zahlt höhere Zuschüsse

Geschlossene Fachwerkzeile: In Helsa gibt es noch ganze Straßenzüge mit Fachwerkhäusern. Das Merten-Jäger-Haus (rechts), das 2011 bei einem Brand stark zerstört wurde, wird nun renoviert. Das Gerüst steht, im Laufe des Jahres soll die Fassade erneuert werden. Das Land gewährt einen Zuschuss von 45 000 Euro. Foto: Schindler

Kreis Kassel. Gute Nachricht für Hausbesitzer in Helsa, Nieste, Söhrewald und Fuldatal: Das Land hat die Förderbedingungen im Dorfentwicklungsprogramm verbessert.

Die Förderquote wurde von 30 auf 35 Prozent erhöht, der Höchstzuschuss von 30.000 Euro auf 45.000 Euro angehoben. „Es handelt sich um geschenkte Zuschüsse“, erläuterte Peter Nissen, Leiter der Regionalentwicklung im Kreis Kassel, im Gespräch mit der HNA.

Das Fördergeld beantragen können nur Hausbesitzer, deren Immobilie in einem Gebiet der Dorfentwicklung liegt.

Dies sind zurzeit im Altkreis Kassel die gesamte Gemeinde Nieste, alle Ortsteile von Helsa, Teile des Söhrewalder Ortsteils Wellerode und von Fuldatal-Simmershausen. Gefördert werden können Baumaßnahmen an älteren Häusern, die vor 1980 errichtet wurden.

Vor allem der Fachwerkbestand steht im Fokus, denn in vielen Gemeinden stehen alte Häuser leer. „Es geht uns um die Rettung unserer Ortskerne“, sagte Helsas Bürgermeister Tilo Küthe (SPD). In Wickenrode etwa stehen 20 Häuser leer, 30 sind zum Verkauf angeboten.

Neu ist die Haltung der Denkmalschutzbehörde. Mussten früher Fachwerkhäuser auf jeden Fall und unter Beachtung strenger Auflagen erhalten werden, so ist heute - wenn es sich nicht gerade um ein Einzeldenkmal handelt - auch ein Abriss möglich. Der Abriss wird mit bis zu 45.000 Euro gefördert, hinzu kommt die Förderung des Neubaus mit der gleichen Höchstsumme.

Abriss unumgänglich 

„Wir werden nicht mehr alle Fachwerkhäuser halten können“, sagte Nissen. Durch den demografischen Wandel stünden zunehmend Häuser in den Ortszentren leer. Wenn sich niemand darum kümmere, entwickeln sie sich zur unverkäuflichen Schrottimmobilie, die auch das Umfeld beeinträchtige. Ein Abriss sei dann manchmal unumgänglich. Auf dem Abrissgrundstück könne aber neu gebaut werden, entsprechend den heutigen Bedürfnissen. Das sei auch für junge Familien interessant.

„Wenn Leute neu bauen wollen, haben wir jetzt auch die Möglichkeit, sie in die Ortskerne zu holen“, sagte Küthe. Er setzt darauf, die Ortszentren so neu zu beleben.

Drei leere Häuser 

In der kleinen Gemeinde Nieste stehen zurzeit drei Häuser leer. Bürgermeister Edgar Paul (SPD) wirbt dafür, im Ortszentrum neu zu bauen. Theoretisch könnten in Nieste 70 Häuser im Ortskern gebaut werden, wenn die Eigentümer ihre Grundstücke dafür zur Verfügung stellen würden.

Wer einen Zuschuss beantragen möchte, sollte sich über das geplante Bauvorhaben beraten lassen. Die Beratung durch geschulte Planer ist für die Eigentümer kostenlos.

Mit den Projekten darf erst begonnen werden, wenn der Förderbescheid vorliegt, auch eine Vergabe von Aufträgen oder der Kauf von Material schließt eine Förderung aus.

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