Drei Fragen an Baunatals Bürgermeister

Manfred Schaub: "Betreuung ist Bildung"

Baunatals Rathauschef Manfred Schaub zu Kritik am Gratis- Kindergarten.

Baunatal. „Ein falsches Signal“ nennt der Deutsche Städte- und Gemeindebund die Absicht der SPD, nach einem Regierungwechsel in Berlin die Kindergartenbeiträge abzuschaffen.

Man müsse eine Vollkasko-Mentalität der Bürger vermeiden, sagt der kommunale Spitzenverband, die Einnahmen von drei Milliarden Euro seien für den Ausbau der Kinderbetreuung nötig. Unsere Redakteurin Ingrid Jünemann sprach über das Thema mit Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD). In der VW-Stadt ist der Kindergartenbesuch bereits gratis, ab Sommer werden auch die Gebühren für Kinderkrippen und Tagesmütter wegfallen.

Herr Schaub, was sagen Sie zu dem Begriff Vollkasko-Mentalität?

Manfred Schaub: Der ist nach meiner Meinung falsch. Kinderbetreuung ist ein Teil der Bildung, und die muss kostenfrei sein.

Warum hat man sich in Baunatal für den Schritt entschieden, die Gebühren abzuschaffen – zumindest für sechs Stunden Betreuung am Tag?

Schaub: Wir waren der Meinung, dass der Einstieg ins Leben nicht eine Frage von Vermögensverhältnissen sein kann. Richtig ist vielmehr, generell höhere Einkommen stärker zu besteuern, um mehr Geld für die Bildung zu haben, aber nicht im Einzelfall ans Portemonnaie zu gehen. Die Gebührenbefreiung wurde im Übrigen von allen Fraktionen einstimmig beschlossen – SPD, CDU und Grüne waren dafür.

Wieviel Geld wendet die Stadt Baunatal für die Kinderbetreuung auf?

Schaub: Wir kalkulieren für das kommende Jahr mit einer Summe zwischen sechs und sieben Millionen Euro.

Spitzenverband sieht mehrere Probleme

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund will die Gebühren für Kinderbetreuung beibehalten. Er argumentiert unter anderem, dass gering verdienende Eltern bereits vom Zahlen befreit seien, und dass gut verdienende gern einen Beitrag leisteten. Auch deckten die Einnahmen nicht einmal 30 Prozent der Kosten.

Im Blick auf den SPD-Vorschlag sagt der Verband: Bislang sehe das Grundgesetz keinen Weg vor, wie der Bund den Kommunen Elternbeiträge ersetzen könnte. (ing)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.