Übergangslösungen sollen Vakanzen überbrücken – Neubesetzung der Stellen kann lange dauern

Drei große Schulen ohne Chef

Ursula Fiedler

Kreis Kassel. Drei große Schulen im Kreis sind vorübergehend ohne Leitung und warten darauf, dass ihre Direktorenstelle neu besetzt wird. Doch ein solches Verfahren kann dauern, auch weil es an Bewerbern mangelt.

Betroffen ist zum einen die Integrierte Gesamtschule Kaufungen. Schulleiter Erhard Zammert wechselt ab morgen ins Staatliche Schulamt nach Kassel. Vorrübergehend übernimmt seine bisherige Stellvertreterin Ursula Fiedler die Führung. Die 58-jährige Biologie- und Chemielehrerin unterrichtet seit 1982 an der Kaufunger Gesamtschule und wird mit einem siebenköpfigen Leitungsteam die knapp 1000 Schüler durch die Vakanzzeit führen.

Neubesetzung kann dauern

Besetzt werden kann die Schulleiterstelle allein vom Kultusministerium in Wiesbaden. Wenn Zammerts Stelle jetzt ausgeschrieben wird, dürften bis zur Neubesetzung mindestens sechs Monate vergehen.

Es kann auch länger dauern. Die Söhre-Schule in Lohfelden mit ihren 930 Schülern ist seit dem Ausscheiden von Schulleiter Dr. Volkmar Hopf, der im Februar in Pension ging, nun schon zehn Monate unter der kommissarischen Leitung von Klaus Michel. Inzwischen hatten Ministerium und Schulamt sogar schon einmal Vollzug gemeldet und dem Schulträger einen neuen Leiter präsentiert, berichtete Kreissprecher Harald Kühlborn. Tatsächlich aber war das ein Irrtum: Weil es eine Konkurrentenklage zwischen zwei Bewerbern gibt, kommt die Neubesetzung der Chefposition nicht vom Fleck. Als dritte Großschule im Kreis ist die Herwig-Blankertz-Berufsschule in Wolfhagen und Hofgeismar seit sechs Monaten kopflos. Immerhin hat der Kreis jetzt Hoffnung, dass die gut 2000 Schüler an beiden Standorten zum 1. Februar nächsten Jahres wieder einen neuen Direx bekommen. Kühlborn: „Das Ausschreibungsverfahren läuft.“

Grundsätzlich ist der Kreis als Schulträger unglücklich mit den langen Vakanzen. Wenn die Schulleitung länger als ein halbes Jahr nicht besetzt werde, gehe dies zulasten des Unterrichts und der Schulorganisation, sagte Kühlborn. Am längsten hatte mit über 18 Monaten die Vakanz an der Gesamtschule Immenhausen gedauert. Dort hatte sogar der Kreistag versucht, Druck aufs Ministerium zu machen, allerdings erfolglos.

Zum Leidwesen der Schulträger beteiligt Wiesbaden die Kreise ohnehin nicht an der Auswahl des Führungspersonals. Kühlborn: „Wir würden da gern mehr mitmischen, denn wir arbeiten ja später mit den Schulleitern zusammen. Aber leider haben wir kaum Einwirkungsmöglichkeiten auf das Verfahren.“

Ein Problem aber haben sowohl Ministerium als auch Schulträger: Oft gibt es bei Ausschreibungen für Schulleiterstellen gar keine Bewerber, denn viele Pädagogen haben einfach keine Lust mehr, sich mit Bürokratie und dem Ärger einer Führungsaufgabe zu befassen. Dabei scheint das Finanzielle kaum eine Rolle zu spielen. Ein normaler Lehrer verdient heute rund 3700 Euro brutto, ein Schulleiter liegt mit gut 5000 Euro zweieinhalb Gehaltsstufen darüber.

Bei der IGS in Kaufungen, die gerade für 21 Millionen Euro komplett neu gebaut wird, darf aber mit Interessenten gerechnet werden. Als Schulleiter Zammert 2008 bereits einmal den Absprung zum Schulamt geprobt hatte, gab es immerhin sieben Bewerbungen für seinen Job. Foto: Stier

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Von Thomas Stier

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