Drei Jahre für ein VW-Getriebe

Baunatal. 17.000 Getriebe werden im Baunataler VW-Werk an einem ganz normalen Arbeitstag gebaut. Für das Getriebe, das da blitzend und funkelnd mit allerhand Messingzahnrädern in der Halle der Coaching steht, haben die Mitarbeiter drei Jahre gebraucht.

In Handarbeit haben Umschüler und Teilnehmer der Jobcenter-Initiative „50 Plus“ bei VW einen Wiehen-Wagen für das Vermessungstechnische Museum in Dortmund nachgebaut.

Der Erfinder Johann Georg Wilhelm Wiehen hatte 1772 die Idee für den Vermessungswagen. Mit dem Gefährt sollten maßstabgetreue Landkarten produziert werden. Sprich: Die Fahrtroute des von Pferden gezogenen Wagens sollte über ein kompliziertes Zahnradsystem zu einem Stift und einem Blatt Papier übertragen werden. Jede Bewegung, jede Kurve und jeder Anstieg sollte genau registriert werden.

Eher zufällig sei der Förderkreis des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund auf das VW-Werk in Baunatal aufmerksam geworden, berichtet Dr. Hartwig Junius. „Wir haben einen Betrieb mit einer großen Lehrwerkstatt gesucht.“

VW-Mitarbeiter bauen Wiehen-Wagen nach

Dass die Dortmunder bei den Baunatalern genau richtig waren, zeigte sich bereits nach den ersten Gesprächen. Denn: Die Getriebeexperten aus Nordhessen entwickelten schnell den Ehrgeiz das historische Gefährt genau so mit Zahnrädern auszustatten, dass es tatsächlich eine Fahrtstrecke aufzeichnen kann. „Und es funktioniert einwandfrei“, sagt Coaching-Leiter Dr. Stefan Kreher. „Prinzipien von heutigen Getrieben sind enthalten.“

Und noch in weiteren Punkten gibt es eine enge Verbindung zum Automobilbau. Nicht nur, dass es sich um ein Gefährt mit vier Rädern handelt. Die Arbeitsweise ähnele sehr der eines heutigen Navigationsgeräts, erläutert Junius. „Was heute mit elektronischen Sensoren geht, war damals nur mechanisch möglich.“

Vielleicht ist der Wiehen-Wagen von VW sogar ein Prototyp. Junius: „Wir wissen nämlich bis heute nicht, ob ein Original jemals gebaut wurde.“

Von Sven Kühling

Rubriklistenbild: © Kühling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.