Seltene Wildtiere gesichtet

Drei Luchse bei St. Ottilien in der Söhre bei Kassel gesichtet

Aufmerksam im Unterholz: Ein Luchs streift durch die Söhre – dieses und viele andere Fotos gelangen Walter Liese aus dem Helsaer Ortsteil St. Ottilien am vergangenen Samstag. Seine Tochter Maleen war im Wald auf drei der scheuen Wildkatzen gestoßen, die ein gerissenes Reh bewachten. Fotos: Walter Liese/nh

Helsa. Faszination und Schrecken – zwischen diesen Gefühlspolen bewegte sich Maleen Liese, als sie am Samstagmorgen im Helsaer Ortsteil St. Ottilien den Familienhund Hugo Gassi führte. Sie entdeckte drei Luchse im Wald.

„Das war schon ziemlich aufregend“, berichtet die 27-Jährige, die in Marburg studiert und die Weihnachtstage zu Hause bei ihrer Familie verbrachte.

Die Studentin war gegen 8.30 Uhr mit dem drei Jahre alten Hund, einer Französischen Bulldogge, am Besenborn unterwegs. Der Hund lief frei herum.

„Da habe ich aus den Augenwinkeln etwas liegen sehen“, erzählt Maleen Liese der HNA. Es war ein ausgewachsener Luchs, der etwa sechs Meter von ihr entfernt im Gras lag. „Er lag wie auf der Lauer“, sagt die junge Frau. „Ich habe einen wahnsinnigen Schrecken bekommen. Wir haben uns Auge in Auge angeguckt.“

Sie rief ihren Hund zurück und nahm ihn an die Leine. Dabei entdeckte sie zwei weitere Luchse in der Nähe. In ihrem Kopf arbeitete es: Was hat das zu bedeuten? – Luchse sind doch Einzelgänger. Vermutlich handelte es sich also um eine Mutter mit zwei Jungen.

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Die 27-Jährige beschloss, mit dem Hund nach Hause zu gehen. Der Luchs klopfte mit dem Stummelschwanz aufgeregt auf den Boden und stand auf. Gemeinsam mit einem der Jungtiere begleitete er die junge Frau parallel zum Weg im Wald. „Es war ziemlich unheimlich“, erinnert sie sich. „Ich wollte erst rennen.“

Aber um den Jagdinstinkt der Wildkatzen nicht zu provozieren, ging sie lieber zügig, aber ruhigen Schritts die 350 Meter nach Hause. Erst dort bemerkte sie, dass sie vor Aufregung zitterte. Sie berichtete ihrem Vater Walter Liese von der ungewöhnlichen Begegnung. Der schnappte sich den Fotoapparat und so gingen beide gemeinsam zurück zum Waldrand. Die drei Luchse waren noch da. Wie sich herausstellte, bewachten sie ein totes Reh, das 25 Meter vom Weg entfernt in einer Senke im Unterholz lag.

Der Rehkadaver war noch vollständig, berichtet Walter Liese, der als selbstständiger Statiker arbeitet. Nur oben am Rücken sei etwas Blut zu sehen gewesen.

Vater und Tochter nähern sich vorsichtig bis auf etwa 15 Meter und machen Fotos. „Als wir näher kamen, wurden sie unruhig und schlugen mit dem Schwanz. Man hörte ein leises Brummen, einer fauchte“, erinnert sich der 58-Jährige, der sich viel in der Natur aufhält. „Es erschien uns nicht gefährlich. Wir hatten den nötigen Abstand und Respekt.“

Überrascht war Walter Liese von der Mächtigkeit der Tiere. „Sie sind größer, als man denkt“, sagt der 58-Jährige. Er schätzt die Höhe des Muttertiers auf 70 Zentimeter, die beiden Jungtiere seien fast genauso groß gewesen.

Für Familie Liese war es bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass sie Luchse in dem einsam am Wald gelegenen Dörfchen St. Ottilien gesehen haben.

Am 13. November gegen 21.15 Uhr beobachteten sie aus dem Auto ein Tier, das auf der Straße in Richtung Wald lief. Bereits im Februar kamen der Familie beim Spaziergang am Bolzplatz zwei Luchse auf dem Weg entgegen.

Bilder der Luchse

Luchse ganz nah vor der Kamera in St. Ottilien

Hintergrund

Vier bis fünf Tiere in der Söhre

Der für unsere Region zuständige Luchsbeauftragte Christian Foet geht davon aus, dass mittlerweile vier bis fünf erwachsene Luchse samt ihren einjährigen Jungen in der Söhre leben. Sie wurden im Jahr 2012 insgesamt 39-mal gesichtet. Die Wildtiere sind aus dem Nationalpark Harz zugewandert. Sie finden im Kaufunger Wald und der Söhre mit ihren ausgedehnten Waldflächen und viel Wild beste Lebensbedingungen. Trotzdem wird die Zahl der Luchse hier nicht weiter steigen, denn sie beanspruchen eine Fläche von 5000 Hektar (Luchskatze) bis 10 000 Hektar (männliches Tier) für sich. Überzählige Tiere müssen abwandern. Luchse sind laut Foet für den Menschen nicht gefährlich. Sie verteidigen zwar ihre Beute, greifen aber nicht an. (hog)

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