Nessi Tausendschön zog bei den Kulturtagen das Publikum mit Komik und Gesang in ihren Bann

Dreiste Virtuosin der Verwandlung

Perfektes Duo: Nessi Tausendschön (rechts) ließ sich von Wiliam MacKenzie auf der Gitarre begleiten.

Espenau. So etwas hat Barbara Birkholz noch nicht erlebt: Kurz vor der Pause schleicht sie sich aus dem Saal, um die Cocktails fürs Publikum vorzubereiten. Nichts da! Nessi Tausendschön alias Annette Maria Marx stöckelt von der Bühne, eilt der Espenauerin nach und holt Sie zurück. Die Künstlerin mag es nicht, wenn Besucher vorzeitig gehen. „Schwache Blase, das geht doch nicht“, sagt die Hannoveranerin.

Nessi hat ihr Publikum im Griff und blafft es genüsslich an. „Sie da, müssen sie ständig gähnen?“, fragt sie einen Herrn in der ersten Reihe. „Und dann noch dazwischen-quaken, das hab’ ich gern.“ Da beschlagen den ersten Brillenträgern die Gläser von ihren Lachtränen.

Nessi ist dreist, komisch, zwischendurch mal wütend, nie vulgär und immer für eine Überraschung gut. Ihr kabarettistisch-musikalischer, die Situationskomik souverän ausnutzender Rundumschlag zog das Publikum im ausverkauften Wickehof offensichtlich in seinen Bann.

Die Dreistigkeit und Frechheit, mit denen die Künstlerin mit ihrem Publikum spiele, machten ihre Auftritte zu einem Erlebnis, finden Heidi Wenzel-Schnepf und ihre Freundinnen Margitta Ransbach, Barbara Birkholz, Karla Siebert und Jutta Persch. Die Damen einer Doppelkopfrunde haben Nessi Tausendschön bereits einmal in Köln auf der Bühne gesehen und freuen sich, dass die mehrfach preisgekrönte Sängerin und Komikerin mit ihrem neuen Programm „Die wunderbare Welt der Amnesie“ den Weg nach Espenau gefunden hat. Es sei auch gar nicht so einfach gewesen, Nessi im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee zu verpflichten, sagt Bürgermeister Michael Wielert.

Nessi beweist auf der Espenauer Bühne ihre virtuose Verwandlungskunst. Ob als Ludmila aus Kasachstan, die vor Heimweh im Pelzmantel in die Kühltruhe steigt und wehmütige Lieder singt, als wellnessbewusste Karrierefrau, die auf Weizenkeim-Lotion und Yoga schwört, oder als berlinernde Gabi Pawelke, die mit schmutzigen Tricks ihr Zugabteil verteidigt.

Dazwischen schiebt Nessi Besinnliches ein und lässt ihre Handsäge mithilfe eines Geigenbogens traurig singen.

Von Peter Dilling

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