Absage an höhere Müllgebühren

Landkreis: Grüner Punkt soll graue Wertstofftonne mitfinanzieren

Kreis Kassel. Sollten Wertstoffe im Landkreis Kassel statt wie geplant in einer separaten gelben Tonne künftig zusammen mit dem Restmüll in der grauen Tonne landen, müsste womöglich bis zu einem Drittel der bisherigen Behälter ausgetauscht werden.

Susanne Selbert

Der Grund: Insbesondere die 80-Liter-Tonnen wären zu klein, um den Restmüll und jene Wertstoffe aufzunehmen, die heute noch im gelben Sack landen. Abfalldezernentin Susanne Selbert (SPD) stellt allerdings klar: „Es darf auf keinen Fall zu einer Mehrbelastung für die Bürger kommen.“ Im HNA-Gespräch forderte die Vizelandrätin stattdessen, dass sich das für den grünen Punkt zuständige Duale System Deutschland (DSD) an den Kosten für die sogenannte graue Wertstofftonne beteiligt. Die zwingende Einführung der von der Bundesregierung favorisierten gelben Wertstofftonne lehnt Selbert ab. Besser sei es, wenn der Bund Verwertungsquoten für Kunststoffe und Metalle vorgebe, es aber den Kommunen überlasse, wie sie diese Quoten erreichen.

Die von DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter geäußerte Kritik, die in einer gemeinsamen Tonne gesammelten Wertstoffe eigneten sich wegen erheblicher Verunreinigungen bestenfalls für die Verbrennung, bezeichnete Selbert als „Quatsch“. Der Restmüll im Landkreis Kassel sei sehr trocken, weil Bioabfälle in einer eigenen Tonne gesammelt würden, sagte Dr.-Ing. Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie. In einem Test sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Qualität der wiederverwertbaren Kunststoffe aus der grauen Wertstofftonne mit der von Kunststoffen aus dem gelben Sack vergleichbar ist. Kunststoffe und Metalle zusammengenommen, erreiche man mit der grauen Wertstofftonne im Landkreis Kassel einen Wert von 6,3 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Bei einer gelben Tonne wären es nach der Berechnung des Abfallexperten dagegen nur 4,9 Kilogramm. Bei einer zusätzlichen Tonne - es wäre die vierte für die Bürger im Landkreis - wären nach Auskunft von Uwe Pietsch, Leiter der Abfallentsorgung, sechs bis acht weitere Müllfahrzeuge sowie zwölf bis 16 weitere Müllwerker notwendig.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: dpa

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