Vater streitet mit Grundschule Heckershausen über Fehltage seines Sohnes – Klagen vor Gericht

Streit mit Grundschule: Drittklässler soll bei Krankheit Atteste vorlegen

Streit wegen Fehltagen: Martin Hockes Sohn Milan geht in die dritte Klasse der Grundschule Heckershausen. Foto: Brandau

Ahnatal. Martin Hocke liegt im Streit mit der Grundschule Heckershausen und dem Staatlichen Schulamt als übergeordneter Behörde. Grund sind Tage, die sein heute achtjähriger Sohn Milan wegen Krankheit im Unterricht fehlte. Für diese verlangt die Schule ärztliche Atteste.

Dagegen wehrt sich der Diplom-Verwaltungswirt. Er legte Widerspruch gegen die Aufforderung der Schule ein und klagte vor dem Verwaltungsgericht (VG) gegen den Widerspruchsbescheid, den ihm das Staatliche Schulamt in der Folge schickte. All dies gleich doppelt, nämlich Anfang 2011 und Anfang 2012.

Klar hatte Milan gefehlt, dies sei unstrittig. Die insgesamt 47 Tage in der ersten Klasse auch wegen einer längeren Erkrankung. Die 16 Tage im ersten Halbjahr Klasse 2 wegen familiärer Probleme durch die Trennungsphase von seiner Frau, sagt Hocke. Da sei Milan als Jüngster der drei Söhne das schwächste Glied in der Familienkette gewesen, habe an einem Morgen mal über Bauchweh, an einem anderen über Kopfschmerzen geklagt. Fehlte das Kind im Unterricht, entschuldigte ihn der Vater schriftlich.

Mit Jahresbeginn 2011, nach der Trennung von seiner Frau, habe sich auch die Schulsituation grundlegend gebessert. Daher verstand der nun alleinerziehende Vater die Aufforderung der Schule vom Januar 2011 nicht, beim Fehlen von Milan künftig ein Attest vorzulegen. Ansonsten gelte das Fehlen als unentschuldigt. Diese Verletzung der Schulpflicht werde man dem Staatlichen Schulamt melden und ein Bußgeldverfahren einleiten lassen.

Er habe mit der Klassenlehrerin gesprochen, die Situation erklärt und versprochen, darauf zu achten, dass Milan der Schulpflicht nachkomme, sagt Hocke. Aber auch betont, „dass ich keinen Anlass für Atteste sehe und es bei normalen Entschuldigungen belasse“. Gegen die Verfügung der Schule legte er Widerspruch ein. Und klagte, als das Schulamt seinen Widerspruch als „unbegründet“ zurückwies.

Das Verfahren vor dem Kasseler Verwaltungsgericht zog sich hin. Im November 2011 dann die erneute Aufforderung seitens der Schule, ein Attest für einen Fehltag vorzulegen. Hocke widersprach und klagte erneut. Da nun zwei ähnlich gelagerte Fälle vorlagen, schlug das Kasseler VG vor, das erste Verfahren für erledigt zu erklären, dem Hocke und Schulamt zustimmten. Laut Gerichtsbeschluss von Mitte Mai muss die Behörde die Verfahrenskosten tragen, da sie „voraussichtlich unterlegen gewesen wäre“. Über das zweite Verfahren ist noch nicht entschieden. Milan, der ein guter Schüler sei, fehle seit 2011 übrigens kaum noch in der Schule, sagt der Vater.

Zum Fall wollten sich Schulleiterin Gerlinde Schlegel und Helga Dietrich, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamtes, wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Das sagt das Verwaltungsgericht

Der Kostenbeschluss im ersten, beigelegten Verfahren ist zum Nachteil des Staatlichen Schulamtes ausgefallen, weil es keine Rechtsgrundlage gegeben hatte, ein Attest für die Fehlzeiten des Jungen zu verlangen, sagt Hardy Siedler, Sprecher des Verwaltungsgerichts (VG) Kassel. Seit Sommer 2011 gebe es allerdings eine neue Vorschrift. Nach Paragraf 2, Absatz 2 der Hessischen Verordnung zur Gestaltung der Schulverhältnisse könne in begründeten Einzelfällen die Klassenkonferenz beschließen, die Krankheit eines Schülers durch ein Attest belegen zu lassen.

Unter diese neue Vorschrift falle das zweite Verfahren, das seit 11. April anhängig sei. Wie bei diesem entschieden werde, ist laut Siedler noch unklar. Zwar habe das Staatliche Schulamt als Beklagter eine Handhabe, Atteste zu fordern. Aber es habe sich auch die Sachlage verglichen mit dem ersten Verfahren geändert, „da der Junge nicht mehr so oft fehlt“, betont der Sprecher des VG.

Von Michael Schräer

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