Drogenflug: Co-Pilot aus Kaufungen ist frei

Kaufungen / Las Palmas. Der aus Kaufungen stammende Pilot, der im August mit 1,4 Tonnen Kokain an Bord auf der Kanareninsel Gran Canaria landete, ist gegen Kaution aus dem Gefängnis der Insel-Hauptstadt Las Palmas entlassen worden.

Das berichtet die Zeitung „Comprendes Gran Canaria“ auf ihrer Internetseite. Auch die übrigen Besatzungsmitglieder des Langstreckenjets vom Typ Bombardier BD-700, der 39-jährige Pilot aus Stuttgart und eine Stewardess aus Österreich, befinden sich dem Bericht zufolge inzwischen wieder auf freiem Fuß.

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Die Besatzung muss allerdings Auflagen erfüllen: Der Pilot musste eine Kaution von 30.000 Euro hinterlegen, der Co-Pilot aus Kaufungen 20.000 Euro und die Stewardess 10.000 Euro. Die Kaution sei von der deutschen Regierung gestellt worden, sagte ein Freund der Familie gestern im HNA-Gespräch. Nach Angaben der spanischen Zeitung wurden die Pässe der Besatzungsmitglieder eingezogen. Sie dürfen die Insel nicht verlassen und müssen sich zwei Mal pro Woche bei Gericht melden.

Unterdessen erklärte die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf HNA-Anfrage, dass sie kein Auslieferungsgesuch an die spanische Justiz stellen werde. Die Tat habe keinen Bezug zu Deutschland, sagte eine Sprecherin. „Es gibt daher keinen Anlass, die Sache nach Deutschland zu ziehen.“ Gleichwohl läuft gegen die beiden Männer weiterhin ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Eine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft habe es aber noch nicht gegeben. Sollten die Deutschen vor Gericht gestellt werden, so wird der Prozess demnach wohl entweder in Spanien oder im Falle einer Auslieferung in Venezuela stattfinden. Dort war die Maschine gestartet.

Der Freund der Familie bekräftigte am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung die Version, wonach die Piloten zu dem Drogenflug gezwungen wurden. Noch aus dem Flugzeug heraus habe der Co-Pilot per Satellitentelefon und SMS seine Eltern in Kaufungen und seine Lebensgefährtin in Norddeutschland gewarnt. Bewaffnete Männer hätten gedroht, die Angehörigen umzubringen, falls sie nicht flögen.

Unbekannte Passagierin

Der Flug sei von Anfang an mysteriös gewesen, sagte der Bekannte des 29-Jährigen. Die Crew habe den Auftrag gehabt, eine Frau von Nizza in Südfrankreich nach Trinidad in der Karibik zu bringen. Die Unbekannte sei der einzige Fluggast in dem auf maximal 19 Passagiere ausgelegten Langstreckenjet gewesen. Auf Trinidad habe die Frau dann überraschend den Weiterflug nach Venezuela verlangt. Nach der Landung sei sie verschwunden.

Die Crew sei dann aufgefordert worden, die mit dem Emblem des Roten Kreuzes versehenen Säcke nach Benin in Westafrika zu fliegen.

Die Piloten, so die Version des Bekannten, hätten sich nach der Entdeckung der brisanten Fracht in der Luft entschlossen, Benin nicht anzufliegen, weil sie um ihr Leben fürchteten. Sie hätten stattdessen auf Anraten von Interpol die Kanarischen Inseln angesteuert. (ket)

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