Fuldataler Eltern protestierten gegen Kita-Streik und diskutierten mit Bürgermeister

Druck auf Familien steigt

Protest vor dem Rathaus: Wie in vielen Gemeinden protestierten jetzt auch die Fuldataler Eltern gegen den Kita-Streik. Bürgermeister Karsten Schreiber lud die Eltern ins Rathaus ein und stellte sich den Fragen. Fotos: Schilling

Fuldatal. „Ich will in den Kindergarten“, rief Ashley am Donnerstagmorgen vor dem Fuldataler Rathaus. Das Mädchen war eines von vielen Kindern, die gemeinsam mit ihren Eltern gekommen waren, um in Fuldatal gegen den anhaltenden Kita-Streik zu protestieren. „Es geht einfach nicht mehr“, erklärte Elternbeirätin Johanna Leszczynski. „Wir sind alle auf der Seite der Erzieherinnen. Die machen einen tollen Job. Was uns nervt ist, dass die Arbeitgeber gar nicht reagieren. Unsere Kinder und wir sind ihnen egal.“

„Unsere Kinder und wir sind dem Arbeitgeber egal.“

Johanna leszczynski, Elternbeirätin

Die Eltern forderten von den Arbeitgeberverbänden, endlich ein Angebot auf den Tisch zu legen, damit die Verhandlungen beginnen können. Zudem zeigten die meisten keinerlei Verständnis dafür, dass sie derzeit Kindergartenbeiträge bezahlen für die sie keine Leistung bekommen. Und auch die Vergabe der Notbetreuungsplätze wurde kritisiert. So erklärte eine Mutter, die Anmeldung sei nur zu einer bestimmten Zeit möglich gewesen, in der dann aber immer besetzt gewesen sei. Als sie schließlich durchkam, waren alle Plätze bereits vergeben.

Mit ihren Anliegen stießen die protestierenden Eltern nicht auf taube Ohren. Bürgermeister Karsten Schreiber lud sie kurzerhand ins Rathaus ein. Während die Kinder in der Bücherei von Rathausmitarbeitern betreut wurden, diskutierten die Eltern mit dem Bürgermeister.

Schreiber zeigte Verständnis für den Ärger der Eltern, machte aber auch deutlich, dass der Gemeinde an vielen Stellen die Hände gebunden seien. „Der Arbeitgeberverband hat Verdi kein Angebot gemacht, und das ist falsch“, sagte Schreiber. Die Bürgermeister des Landkreises hätten darum bereits an den Verband appelliert, endlich ein verbindliches Angebot auf den Tisch zu legen.

In der Frage der Rückerstattung von Beiträgen wollte Schreiber sich nicht festlegen. „Es wird auf jeden Fall ein Angebot an die Eltern geben“, erklärte der Rathauschef. Doch wie dieses Angebot aussehen könnte, steht derzeit noch nicht fest. Schreiber setzt auf eine einheitliche Lösung für den Landkreis Kassel. Es sei schließlich nicht gerecht, wenn einige Kommunen die Beiträge zurückerstatten würden und andere nicht.

Dass der Druck auf die Familien mit jeder Streikwoche steigt, wurde in Fuldatal schnell deutlich. Manche Familien haben den geplanten Sommerurlaub streichen müssen, weil die Eltern ihre Urlaubstage jetzt zur Betreuung der Kinder brauchen. Andere nehmen den Nachwuchs mit an die Arbeit. Auch Michaela Kreutzberg hatte ihren Sohn schon mit dabei, aber das ist nur begrenzt möglich. „Langsam wird es eng“, sagt sie. Katharina Donner betreut ihren sechs Jahre alten Sohn derzeit zuhause. Sie bedauert, dass gerade die Kinder, die im Sommer in die Schule kommen, nun viele besondere Aktionen verpassen.

Um die Situation etwas zu entschärfen, versucht die Gemeinde Fuldatal die Zahl der Notbetreuungsplätze zu erhöhen - mit Hilfe von Eltern, die in den Notgruppen mitarbeiten.

Von Meike Schilling

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