Für Eintragung in angebliches Dokument werden 600 Euro kassiert

Dubioses Gewerberegister: Abzocker legen nochmal nach

Aufgemacht wie ein Behördenschreiben: Wer auf die Briefe des „Gewerberegistrats“ antwortet, ist schnell viel Geld los. Die Abzocker setzen auf die Unachtsamkeit von Unternehmern. Fotos: Ketteritzsch

Kreis Kassel. Die Abzocker lassen nicht locker: Gut einen Monat, nachdem zahlreiche Geschäftsleute in der Region Kassel Post von einem dubiosen „Gewerberegistrat" erhalten haben, legt die Firma GES Registrat GmbH mit Sitz in Berlin nach.

In einem weiteren Schreiben werden die Gewerbetreibenden erneut aufgefordert, einen Auskunftsbogen mit Angaben zu Branche, E-Mail- und Internetadresse auszufüllen und per Fax oder per Post zurückzusenden.

In ihrem zweiten Brief übt die Firma, die sich einen behördlichen Anstrich gibt, gleich in doppelter Hinsicht Druck auf die Adressaten aus. Über dem Anschriftenfeld prangt in dicken Buchstaben der Satz „Schreiben wurde Ihnen bereits am 17.04.2015 zugesandt.“ Dem Satz ist ein Ausrufungszeichen vorangestellt.

Außerdem werden die Gewerbetreibenden in dem massenhaft verbreiteten Schreiben aufgefordert, das Formular bis zum 1. Juni, also sehr kurzfristig, zurückzusenden. Wer den Brief unterzeichnet, dem droht eine böse Überraschung. Für die Eintragung in das Internetverzeichnis www.gewerberegistat.de kassiert die Berliner Firma 588 Euro pro Jahr.

Dafür bieten die Berliner ein so genanntes „Leistungspaket“ an: Es beinhaltet neben dem Eintrag unter anderem das Recht des Gewerbetreibenden, „jährlich bis zu fünftausend Datensätze“ für eigene Marketing-Aktivitäten zu nutzen und jährlich „bis zu sechs Rechtsanfragen “ zu stellen, die dann angeblich online von „angeschlossenen Rechtsanwälten“ beantwortet werden.

Beim Gewerbeprüfdienst des Landkreises Kassel rät man betroffenen Unternehmern dringend, die Hände von dem Angebot zu lassen. Die Leistung sei „völlig überteuert“. Die Berliner Firma bewege sich mit ihren Methoden „am Rande der Legalität“. Dies gelte nicht zuletzt für den amtlichen Charakter der Briefe.

Damit solle der Eindruck vermittelt werden, dass die Adressaten verpflichtet seien, Angaben zu machen.

Lesen Sie auch: Dubiose Gewerberegister: Geschäftsleute werden abgezockt

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