Planungen für A44-Bau im Lossetal

Verkehrszählung der KWG in Kaufungen: Bau der A44 nicht gerechtfertigt

Schon heute eng: Der Umleitungsverkehr von der Autobahn 44 soll nach dem Willen der Planer künftig durch die enge Ortsdurchfahrt von Kaufungen geführt werden. Unser Foto zeigt die Leipzger Straße in Oberkaufungen unweit der Lossebrücke. Archivfoto: Ketteritzsch

Kaufungen. Eine „erschreckende Ignoranz“ wirft die Kaufunger Wählergemeinschaft (KWG) den Politikern in Kommunen, Land und Bund bei der Planung der A 44 im Lossetal vor.

Die Wählergemeinschaft hatte Anfang Mai die Ergebnisse ihrer aktuellen Verkehrszählung im Lossetal an 29 Politiker in Berlin, Wiesbaden und in der Region geschickt mit der Bitte um Stellungnahme.

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Die Verkehrszählung in Anliegergemeinden der künftigen A 44 hatte ergeben, dass bei einer Sperrung der Autobahn der Verkehr in Kaufungen und Helsa um 58 Prozent in die Höhe schnellen würde. Andererseits seien die Verkehrszahlen zu gering, um einen Autobahnbau zu rechtfertigen. Denn entgegen der Anfangsprognosen vor 20 Jahren von 60 000 Autos täglich legen die hochgerechneten aktuellen Zahlen laut KWG nahe, dass auf der A 44 nur 22 000 Fahrzeuge fahren werden.

„Die Resonanz auf unsere Briefe ist ernüchternd“, sagte KWG-Vorsitzender Klaus Höfgen der HNA. Von den angeschriebenen Landes- und Bundespolitikern hätten sich offenbar nur wenige mit dem Thema beschäftigt und sich eine eigene Meinung gebildet.

So wies das Bundesverkehrsministerium laut Höfgen lediglich auf bestehende europäische und deutsche Verkehrswegepläne hin, ohne auch nur mit einer Silbe auf die neu ermittelten Verkehrszahlen einzugehen.

„Das Bundesverkehrsministerium macht klar, dass die Entscheidungen im Verkehrsministerium fallen – so als habe man mit den Finanzen nichts zu tun“, kritisiert der Kaufunger. Dabei verteuere sich die A 44 gegenüber der Anfangsplanung um das Vierfache auf 1,8 Milliarden Euro.

Noch spärlicher sei die Resonanz aus Wiesbaden gewesen, wo die Autobahnplanung im Auftrag des Bundes ja erstellt wurde. Einzig die CDU-Fraktion antwortete überhaupt. Doch auch sie sei nicht auf die aktuell Verkehrszahlen eingegangen.

Auch an den Reaktionen aus der Region übt die KWG Kritik. So habe die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck zwar ein SPD-Antwortschreiben mit unterschrieben, aber keine Stellung zu den Zahlen bezogen. Das gleiche Bild bei Landrat Uwe Schmidt und dem CDU-Kreisvorsitzenden Frank Williges: Die hätten in ihrer Antwort für den Weiterbau der A 44 plädiert – „gerade so, als gebe es keine neuen Fakten, die genau dieser Verfahrensweise widersprechen“, so Höfgen.

Aus Kaufungen antwortete nur die Grün-Linke-Liste, alle anderen Parteien reagierten mit Schweigen. Archivfoto:  Brandau

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