E-Kart von Baunataler VW-Azubis

E-Kart von Baunataler VW-Azubis: In 2,1 Sekunden von null auf 50

Kart mit E-Antrieb: Tobias Wolfram (von links), Fabian Semmler und Tim Bachmann haben den Flitzer entwickelt. Die drei Mechatroniker schlossen ihre Ausbildung mit der Note eins ab. Fotos: Kühling

Baunatal. „Die Beschleunigung bekommt kein Benzinkart hin“, sagt Fabian Semmler stolz. In 2,1 Sekunden ist der Kart 50 Stundenkilometer schnell.

Der VW-Azubi hat zusammen mit seinen Mechatroniker-Kollegen Tobias Wolfram und Tim Bachmann als Abschlussprojekt für die Ausbildung einen Rennkart mit E-Antrieb gebaut. Ein Projekt, das selbst die Ingenieure in der Entwicklungsabteilung des Baunataler VW-Werkes aufhorchen ließ.

Passend zum Produktionsstart der Elektroantriebe für die Serienmodelle Up und Golf in Baunatal legten die drei 22-jährigen Azubis ihren Plan vom Kart mit E-Power auf den Tisch. Zunächst holten sie sich das Okay vom Chef der der Entwicklungsabteilung, Klaus Heber. Schließlich musste allein Material für 12 000 Euro eingekauft werden - der Rahmen, Bremsen, Räder, Lenkung und Karosserieteile stammen von einem herkömmlichen Benzinkart.

Auch der 17,2 Kilowatt starke E-Motor kommt nicht von VW, sondern von der Firma Agni Motors, schließlich hat Volkswagen eine so kleine Antriebseinheit selbst nicht im Programm. Die Ingenieure seien skeptisch gewesen, ob die drei Auszubildenden den schwierigen Einbau der Komponenten in den Kart schaffen, berichten Semmler, Wolfram und Bachmann. Scherzhaft habe einer der Entwickler gesagt: „Das Ding überhole ich ja mit meinem Fahrrad.“

Doch spätesten als die Ingenieure selbst hinter dem Lenkrad Platz genommen hatten, seien sie von den Fahrleistungen begeistert gewesen. Einige hätten nicht geglaubt, dass das flache, weiße Gefährt die errechneten Werte in der Praxis sogar noch übertrifft, sagen die Azubis. „176 Newtonmeter Kraft an der Hinterachse sind mehr als die 141 Newtonmeter von meinem Audi“, erläutert Wolfram.

Viel Technik: Zwei Pakete mit jeweils acht Akkus geben dem Elektromotor Kraft. Die Komponenten wurden in ein herkömmliches Rennkart eingebaut.

Die drei jungen Lehrlinge wurden in der Zeit ihres Abschlussprojektes selbst zu Ingenieuren. Über ihre eigentliche Arbeitszeit hinaus hätten sie oft bis in den späten Abend zusammengesessen, berichtet Semmler. Neben dem praktischen Einbau der Komponenten in den E-Kart seien zunächst fahrdynamische Berechnungen angestellt worden. Schließlich seien alle Ergebnisse in einem Bericht festgehalten worden. Das Fahrzeug wollen die drei Mechatroniker auf jeden Fall weiter entwickeln. Semmler und Bachmann wollen an der Sache während ihres Maschinenbaustudiums dran bleiben. Wolfram will zunächst bei VW im Getriebebau arbeiten und später studieren.

Das Kart soll laut Ausbilder und Projektleiter Thomas Wiegand im Besucherdienst des VW-Werkes ausgestellt und bei Ausstellungen gezeigt werden. Und sicher werden die Ingenieure weiter einen Blick haben auf den Flitzer. Schließlich ist dieser bisher einmalig bei VW.

Übrigens: Die Ausbildung schlossen die drei Kartbauer ab mit der Note eins.

Von Sven Kühling

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