Wenige Anfragen von Homosexuellen

Ehe für alle: Kaum Anträge bei Standesämtern in und um Kassel 

Kreis Kassel. Der Beschluss des Bundestages für gleichgeschlechtliche Ehen hat in und um Kassel bisher nicht zu einem Anstieg der Ehe-Anträge geführt.

Viele Gemeinden haben noch gar keine Anfragen von homosexuellen Paaren.

Kommunen im Norden

So auch in der Gemeinde Fuldatal, wie Standesamtsleiterin Heike Woltschinsky berichtet. Man wisse auch noch nicht, wie die Gemeinden nach dem Beschluss konkret verfahren sollen. „Die eingetragenen Lebenspartnerschaften können die Paare in Ehen umwandeln lassen“, sagt Woltschinsky.

In Fuldatal habe es seit 2009 keinen Antrag mehr auf eine eingetragene Lebenspartnerschaft gegeben. Etwa 40 Hochzeiten gebe es pro Jahr. Diese Zahl sei in den vergangenen fünf Jahren relativ konstant geblieben. „Unser Standesamtzimmer war viereinhalb Jahre lang ausgegliedert. Jetzt merken wir deutlich, dass die Eheschließungen in Fuldatal wieder ansteigen“, so Woltschinsky.

In Vellmar gab es immerhin eine Anfrage von einem homosexuellen Paar – allerdings erst für das kommende Jahr. Das berichtet Jan Bischoff vom Vellmarer Standesamt. „Etwa alle zwei bis drei Jahre gab es einen Antrag auf eine eingetragene Lebenspartnerschaft“, sagt er. Seit 2001 seien das insgesamt elf Stück gewesen. Pro Jahr würden zwischen 80 und 90 Ehen in Vellmar geschlossen. „Mitte der 1990er-Jahre waren es noch rund 130“, fügt Bischoff hinzu.

Kommunen im Osten

In Helsa gibt es fünf eingetragene Lebenspartnerschaften. Ehe-Anträge habe seit dem Beschluss kein homosexuelles Paar gestellt, sagt Michael Briehle vom Standesamt in Helsa. Dort werden rund 20 Ehen pro Jahr geschlossen.

Auch Kaufungen hat noch keine Ehe-Anträge von gleichgeschlechtlichen Paaren. Dort gibt es neun eingetragene Lebenspartnerschaften sowie zwischen 50 und 60 Ehen im Jahr. „Die Eheschließungen werden aber tendeziell weniger“, meint Bernd Wenzel vom Standesamt Kaufungen. Die Ehe für alle müsse nach dem Beschluss des Bundestages erst einmal durchgesetzt werden und erfordere auch eine Umstellung der Programme.

In Fuldabrück gibt es bisher eine Anfrage zur Ehe für alle, wie Katja Prokopp von der Gemeinde berichtet: „Wir haben bisher insgesamt sieben Lebenspartnerschaften geschlossen.“ Davon waren fünf im Jahr 2009, eine 2013 und und eine dieses Jahr. Jedes Jahr gebe es etwa 30 Eheschließungen.

Kommunen im Süden

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes der Ehe für alle ist laut Susanne Bräutigam, Pressesprecherin der Stadt Baunatal, frühestens im Oktober oder November 2017 zu rechnen. Bis jetzt seien keine Anfragen von homosexuellen Paaren eingegangen. Seit 2012 seien in Baunatal und Schauenburg, die ein gemeinsames Standesamt haben, acht Lebenspartnerschaften eingegangen worden. Eine weitere sei für September geplant. 2016 gab es in Baunatal und Schauenburg 143 Eheschließungen. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren leicht angestiegen.

Bei den Eheschließungen unterscheiden die Städte und Gemeinden grundsätzlich zwischen Ehe-Anmeldungen und Ehe-Begründungen. Angemeldet wird die Ehe im Wohnort, wohingegen die Eheschließung (Begründung) an einem anderen Ort erfolgen kann.

Stadt Kassel

Auf Anfrage der HNA hat die Stadt Kassel bestätigt, dass es bislang noch keine Ehe-Anträge von homosexuellen Paaren gegeben hat. Und auch für die Zukunft rechnet das Kasseler Standesamt nicht mit einem außerordentlichen Anstieg von Ehe-Anträgen, erklärt Michael Schwab gegenüber der HNA. Generell ist es gleichgeschlechtlichen Paaren bereits seit 2001 erlaubt, eine gemeinsame Lebenspartnerschaft einzutragen. Seither zählte das Kasseler Standesamt im Schnitt etwa 17 homosexuelle Paare pro Jahr, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründen.

Erste Ehen ab Oktober 2017

Nachdem der Bundestag am 30. Juni 2017 die Ehe für alle beschlossen hatte, zog der Bundesrat am 7. Juli nach. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wird nun festgeschrieben, dass auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten können. Die ersten Ehen von Homosexuellen sollen ab dem 1. Oktober 2017 geschlossen werden können. Bislang können gleichgeschlechtliche Paare lediglich eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Das ist bereits seit 2001 möglich. Die Paare verfügen bisher beispielsweise über kein gemeinsames Adoptionsrecht.

Rubriklistenbild: © dpa

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