Ehec auf Essen aus Kaufungen: Noch drei Gäste krank - Keime auf Lachs und Paprika

Kassel. Es gibt drei weitere Ehec-Fälle im Zusammenhang mit einer Familienfeier, die am 28. Mai in Uschlag stattfand. Ein Gast aus dem Landkreis Kassel wird wegen einer Infektion mit dem Darmkeim in einem Kasseler Krankenhaus behandelt.

Meldung aktualisiert um 19.28 Uhr.

Zwei weitere Verdachtsfälle werden seit Dienstag im Krankenhaus Hann. Münden behandelt. Damit stehen insgesamt 17 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen oder Verdachtsfälle mit den typischen Symptomen mit der Feier Ende Mai in Uschlag in Verbindung.

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An Ehec erkrankt ist auch das Ehepaar aus Kaufungen, das das Essen für die Feier zubereitet und geliefert hatte. Bislang ist noch nicht geklärt, wie der Erreger ins Essen kam, sagte der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Markus Schimmelpfennig. So besteht die Möglichkeit, dass eine Mensch-zu-Lebensmittel-Übertragung die Ursache ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort die Verunreinigung passiert ist, sei ziemlich hoch.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Inzwischen wurden im Labor verdächtige, Shigatoxin bildende Ehec-Keime nachgewiesen, die auf Lebensmittelproben aus dem Kaufunger Betrieb gefunden wurden. Fündig wurden die Veterinäre auf Lachs und Paprika. Insgesamt hätten die Kasseler Veterinäre über 400 weitere Lebensmittelproben im Groß- und Einzelhandel genommen. Diese waren alle frei von Ehec-Keimen.

Der Nachweis, ob es sich bei den bei den Ehec-Bakterien aus dem Betrieb um den Subtyp handelt, an dem die Chefs der Firma erkrankt sind, stehe jedoch noch aus. Seit Ausbruch der Epidemie gab es nach Angaben des Kreissprechers Harald Kühlborn 16 Ehec-Verdachts- beziehungsweise Erkrankungsfälle, elf aus dem Landkreis und fünf aus der Stadt. Einige Patienten haben das Krankenhaus bereits wieder verlassen.  

Von Martina Heise-Thonicke

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