Sie besuchten die Investorenkonferenz in ihrer Heimatstadt Gjakova

Ehepaar aus Vellmar will helfen, im Kosovo Hilfe vor Ort zu leisten

Hoffnungsträger: Gemeinsam mit ihren Kindern Debora und Daniel (vorn) verbrachten Claudia und Engjull Bajrami aus Vellmar ihren Urlaub im Kosovo. In Gjakova, der Heimatstadt von Engjull Bajrami, nahm das Ehepaar auf Einladung der Bürgermeisterin an einer Investorenkonferenz teil. Foto: Rogge-Richter

Vellmar. Auch Menschen aus dem Kosovo gehören zu den Flüchtlingen, die derzeit in großer Zahl aus ihrer Heimat fliehen. Ein Ehepaar aus Vellmar, selbst aus dem Kosovo stammend, fuhr jetzt in seine alte Heimat, um Möglichkeiten zu erkunden, wie man Hilfe vor Ort leisten kann.

Jedes Jahr besucht Engjull Bajrami aus Vellmar seine Schwester und seine zwei Brüder im Kosovo. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia und den beiden Kindern Daniel und Debora verbringt der 42-Jährige, der seit 2007 in Vellmar lebt, einen Teil der Sommerferien in seiner Heimatstadt Gjakova im Südwesten des Landes nahe der Grenze zu Albanien.

Dieses Jahr verlief der Familienurlaub allerdings anders als gewöhnlich: Auf Einladung von Mimoza Kusari-Lila, der Bürgermeisterin der knapp 100 000 Einwohner zählenden Stadt, nahmen Engjull und Claudia Bajrami an einer Investorenkonferenz teil, zu der sich 100 internationale Vertreter aus Politik und Wirtschaft versammelt hatten.

Claudia Bajrami ist als Tagesmutter in Vellmar tätig, ihr Mann Engjull arbeitet als Fahrer in der Altenpflege. Potenzielle Investoren sind sie mithin keine. Trotzdem war es Mimoza Kusari-Lila wichtig, dass die Eheleute aus Vellmar bei der Konferenz zu Gast waren und sich darüber informierten, wie die Wirtschaft in der Stadt angekurbelt werden könne.

„Wir verfolgen intensiv die Geschehnisse in Gjakova. Als wir im Februar erfuhren, dass dort eine Textilfabrik eröffnet wurde, in der 70 Menschen Arbeit fanden, schrieben wir der Bürgermeisterin der Stadt in einer E-Mail, wie sehr uns das freute“, erläutert Claudia Bajrami, wie es zu dem Kontakt kam.

Multiplikatoren gesucht 

Daraufhin lud Mimoza Kusari-Lila die beiden Vellmarer zu der Konferenz ein. „Wir gehörten zu den Gästen, weil die Stadt nicht nur auf der Suche nach Investoren ist, sondern auch nach Multiplikatoren: Wir sollen hier bei uns in Deutschland unter anderem dafür werben, dass internationale Unternehmen in Gjakova Standorte aufbauen“, ergänzt Engjull Bajrami.

Nach Angaben der Bürgermeisterin liegt die Arbeitslosenquote in Gjakova bei über 60 Prozent, erfuhr Claudia Bajrami im Fortlauf der Konferenz. „Wenn die Menschen in Gjakova wieder Arbeit fänden und sich die Infrastruktur allgemein verbessern würde, wenn es zum Beispiel ein funktionierendes Gesundheitssystem und eine gesicherte Stromversorgung gäbe, würden vermutlich viel weniger Menschen aus ihrer Heimat fliehen“, sagt sie.

Mit zahlreichen Informationen über die Stadt kehrte die Familie aus dem Kosovo zurück. In Vellmar macht sich das Ehepaar nun Gedanken darüber, wie Gjakova unterstützt werden könnte. „Mit einer Vertreterin aus dem Erziehungssektor Gjakovas habe ich unter anderem über das Thema Kindertagespflege gesprochen, die es dort noch gar nicht gibt. Vielleicht entwickelt sich aus den Gesprächen auch ein Projekt für uns, in dem wir uns in irgendeiner Form engagieren können“, sagt Claudia Bajrami.

Von Sarah Rogge-Richter

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.