Verein unterstützt Eltern

Ehrenamtliche nähen für Frühchen und Sternenkinder

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Sitzt fast jeden Abend an ihrer Nähmaschine: "Nähen ist meine Sucht", sagt Romy Frömer aus Ahnatal , die ehrenamtlich für den Verein Sternenzauber und Frühchenwunder näht.

Ahnatal. Der Verein Sternenzauber und Frühchenwunder bietet Hilfe für Eltern, deren Kinder tot auf die Welt kommen oder viel zu früh ihre Reise ins Leben beginnen.

Diesen Tag wird Romy Frömer nie vergessen. Es war Mittwoch, der 17. Mai 2017, als ihr der Arzt mitteilte, dass das Kind, dass sie seit 17 Wochen unter dem Herzen trug, nicht mehr lebte. Am nächsten Tag wurde die Geburt eingeleitet. Nackt und nur in Mulltücher gewickelt und in einem Weidenkorb liegend, bekam sie ihr Kind gebracht. „Sie war nur eine Handvoll“, erinnert sich die 39-Jährige, die mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Alter von 15 und 4 Jahren in Ahnatal lebt.

Dieser Augenblick, als ihr dieses kleine Bündel so nackt gebracht wurde, hat sie geprägt. „Ich möchte, dass Kliniken versorgt werden, damit Eltern ihre tot geborenen Kinder nicht mehr so lieblos bekommen“, sagt Frömer. Auch deshalb engagiert sie sich ehrenamtlich im Verein Sternenzauber und Frühchenwunder. Sie näht in ihrer Freizeit Hosen, Schuhe, Mützchen und Bodies für die Kleinsten. Für solche Kinder, die tot auf die Welt kommen, sogenannte „Sternenkinder“, und solche, die zu früh ihre Reise ins Leben beginnen und viele Wochen in Inkubatoren verbringen müssen.

Für die letzte Reise: Solche bemalten Steine und gehäkelten Blumen bekommen die Sternenkinder mit ins Grab.

Für die näht sie auch Decken. „Die kommen über den Inkubator, damit das Kind zur Ruhe kommt und abgedunkelt liegen kann“, erklärt Frömer. Denn die vielen Einflüsse, das Licht und die Geräusche von außen bedeuten Stress für das Frühchen. „Die Decken sind meist nicht im Krankenhaus-Budget drin“, sagt Frömer. Wenn also eine Klinik Bedarf hat, wie derzeit zum Beispiel die Uniklinik in Leipzig, dann wird auf der Facebook-Seite des Vereins ein Aufruf gestartet und innerhalb kürzester Zeit sitzen Frauen in ganz Deutschland an ihren Nähmaschinen.

Sternenkinder-Eltern können auch Päckchen beim Verein bestellen, die individuell gestaltet werden. „Farben, Inhalt, Kerzen und Anhänger werden personalisiert“, sagt Frömer. Auch sie hat solch ein Paket bekommen. Einen Teil des Inhalts hat sie ihrer Tochter Fiona mit ins Grab gegeben. Ein Herz und zwei Sternenengel haben sie auf ihrer letzten Reise begleitet. Der andere Teil steht bei Romy Frömer zu Hause, als Erinnerung an ihr drittes Kind.

Sie und ihr Mann haben Fiona mit nach Hause nehmen dürfen. Sie haben ein kleines Holzkästchen gestaltet, mit Bildern der Familie an der Deckelinnenseite und Fiona im Garten in einem liebevoll hergerichteten Blumentopf begraben. So ist auch ihr drittes Kind immer ganz in ihrer Nähe. Es ist ein kleiner Trost in diesem unbeschreiblichen Schmerz.

Ihrer Vierjährigen hat Romy Frömer erklärt, dass Fiona jetzt ein Sternchen ist und an manchen Abenden steht Alina am Fenster, und sucht ihre Schwester am Sternenhimmel.

Vom 3. bis 11. März stellt Romy Frömer auf der Frühjahrsausstellung den Verein Sternenzauber und Frühchenwunder vor. Täglich ist sie von 9.30 bis 18 Uhr an ihrem Stand in Halle 8 und 9 zu finden.

Verein unterstützt Eltern und Krankenhäuser 

Der Verein Sternenzauber und Frühchenwunder bietet Hilfe für die Kleinsten und ihre Familien. Der Verein hat etwa 1300 ehrenamtliche Mitglieder. Sie nähen, stricken und häkeln passende Kleidung bis Babygröße 42 für Totgeburten und Frühchen oder basteln Andenken wie Anhänger, Kerzen und anderes für die Familien. Auch farbenfrohe Decken für die Inkubatoren der Frühchenstationen und zum Beispiel Dufttücher werden von den Ehrenamtlichen hergestellt und umsonst zur Verfügung gestellt.

Seit Dezember 2016 gibt es die Gruppe auf Facebook. Mittlerweile beliefert die Initiative rund 300 Krankenhäuser, Hebammen und Bestatter in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg. Vom Lager über Spendenverwaltung bis zum Marketing wird alles in ehrenamtlicher Arbeit organisiert. Doch der Förderkreis ist mehr als nur eine Koordinations-Gruppe zur Versorgung von Krankenhäusern. Viele der Mitglieder sind selber Sternchen- und Frühcheneltern.

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