Nachgefragt: Eigene Talente und Interessen erkennen

Der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Stadt und Landkreis nimmt sich eine von der Europäischen Union geförderte Initiative an, die bei der Gemeinnützigen Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel, kurz Agil, angesiedelt ist.

HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch sprach mit Koordinatorin Ulrike Beutnagel.

Frau Beutnagel, wie stellt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der Region dar?

Ulrike Beutnagel: Ganz unterschiedlich. Viele mittlere und kleine Unternehmen suchen mittlerweile händeringend nach geeigneten Bewerbern, während viele Jugendliche ihre Ausbildung gern bei großen bekannten Unternehmen machen möchten. Hier herrscht ein gewisses Markenbewusstsein. Schüler mit höheren Bildungsabschlüssen werden mittlerweile von Betrieben stark umworben, während es für Schüler mit niedrigeren Schulabschlüssen nach wie vor schwierig ist, den Einstieg in die Ausbildung zu schaffen.

Wie reagieren Jugendberufshilfe und Berufsberatung auf die veränderte Situation?

Beutnagel: Das Wichtigste ist der erste Schritt: Nur wer seine Talente, Interessen und Neigungen kennt, kann berufliche Ziele entwickeln. Deshalb ist die Berufsorientierung in der Schule so wichtig. Wir unterstützen diese zum Beispiel durch Probierwerkstätten für Schüler.

Wir haben aber auch reagiert. Wir beobachten, dass bestimmte Berufe und Berufsfelder bei Schülern kaum bekannt sind. Hier müssen wir gegensteuern, sonst bekommen wir ein echtes Nachwuchskräfteproblem. So haben wir uns gemeinsam mit den Kasseler Gesundheitstagen für Gesundheitsberufe starkgemacht, Schüler wurden über die Berufe informiert und es gab eine Bewerberlounge im April in der Stadthalle.

Ein weiteres wichtiges Instrument ist die landesweite Initiative Olov. Hier werden gemeinsam Aktivitäten entwickelt, die helfen, den hessischen Ausbildungspakt umzusetzen. Beteiligt sind Stadt und Landkreis Kassel, die übrigen Kommunen, Schulamt, Arbeitsagentur, Jobcenter, Kammern, Kreishandwerkerschaft und Schulen.

Was kann die Initiative konkret erreichen?

Beutnagel: Durch die Initiative ist schon etwas Großartiges erreicht: Es gibt an jeder Schule mit einem Haupt- und Realschulzweig eine Lehrkraft, die für Berufsorientierung zuständig ist und dafür auch Deputatstunden erhält. Damit hat jede Schule einen kompetenten Ansprechpartner und die Berufsorientierung an der Schule hat einen wichtigen Stellenwert erhalten. Das Besondere an der Initiative ist, dass alle Institutionen zusammen in einer Steuerungsgruppe für Stadt und Landkreis über notwendige Aktivitäten abstimmen. Diese werden dann gemeinsam auf den Weg gebracht.

Welche Möglichkeiten außerhalb der Berufsberatung gibt es für Jugendliche und Eltern, sich über den Übergang von der Schule in den Beruf zu informieren?

Beutnagel: Ganz aktuell gibt es eine neue regionale Informationswebsite, die über alle Fragen zur Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche und über alle Möglichkeiten, die es in der Region Kassel gibt, informiert. Die Website soll eine leicht verständliche Orientierungshilfe sein, um sich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtzufinden.

www.schule-ausbildung-kassel.de

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