Schachklub Vellmar veranstaltet internationales Turnier - mit 167 Teilnehmern

Eigener Kopf als Hilfsmittel

Großmeister am Zug: Lev Gutman (rechts) ist in Vellmar mit dabei. Fotos: Schilling

Vellmar. Hochherrschaftlicher Besuch bevölkert derzeit die Mehrzweckhalle Frommershausen. 200 Könige samt Gemahlinnen sind zu Besuch. Begleitet werden sie von 1600 Bauern. Platzmangel gibt es trotzdem nicht.

Denn bei einer Größe von weniger als zehn Zentimetern nehmen die Schachfiguren nicht viel Raum ein. Sie ziehen über die 100 schwarz und weiß karierten Schachbretter, auf denen noch bis Sonntagabend das vierte internationale Vellmarer Schach-Open ausgetragen wird.

167 Teilnehmer sind in diesem Jahr dabei, sehr zur Freude der Organisatoren vom Schachklub Vellmar. „Bei den ersten Vellmarer Schachtagen waren es 95 Spieler, seitdem sind es in jedem Jahr mehr geworden“, sagt der Vereinsvorsitzende Reiner Weyers. Auch logistisch eine Herausforderung.

Turnierbretter aus Kunststoff

In langen Reihen haben die ehrenamtlichen Helfer über 50 Tische aufgestellt, an denen die Schachpartien ausgetragen werden. Gespielt wird mit Turnierbrettern aus Kunststoff. 50 hat der Schachbezirk Nordhessen zur Verfügung gestellt, die andere Hälfte ist eine Leihgabe von Jürgen Kehr aus Habichtswald, der als Turnierleiter und Schiedsrichter mit dabei ist.

„Das Spielmaterial leiht man sich untereinander aus, das ist ganz normal“, erklärt Weyers. Der Verein besitzt zwar selbst einige schöne Schachbretter aus Holz, doch die kommen nicht zum Einsatz. „Schließlich sollen alle mit dem gleichen Material spielen“.

Die meisten Teilnehmer kommen aus Deutschland, doch auch aus der Schweiz, Belgien, Russland, Polen, Schweden, Norwegen und Moldawien sind Schachspieler angereist, um sich in drei Leistungsklassen miteinander zu messen. Der jüngste ist sechs Jahre alt, der älteste über 70. Sie alle sitzen konzentriert an ihren Tischen. Niemand spricht. Ab und zu wird ein Stuhl gerückt, jemand räuspert sich. Wer gerade nicht am Zug ist, geht auch mal leise durch die Reihen und beobachtet die anderen Partien, während sein Gegner über den nächsten Schachzug nachdenkt.

Während bei den Spielern große Ruhe herrscht, geht es in der angrenzenden Küche umso lebhafter zu. Bratwurst und Reibekuchen, Leberkäse und Steak, Kaffee und Kuchen – der Schachklub bietet einiges an zur Verpflegung der Sportler. „Wir haben für die vier Tage eine abwechslungsreiche Karte erstellt. Es will ja keiner immer dasselbe essen“, sagt Weyers, während er in der Küche an einer großen Pfanne steht und Schnitzel wendet. Unterstützung bekommt das Organisationsteam dabei auch von den Frauen der Vereinsmitglieder, die Kuchen backen, in der Küche helfen und bedienen.

Etwas wehmütig ist Weyers schon zumute, weil er selbst nicht mitspielen kann. „Schachspiel ist meine Passion. Es geht wirklich um Leistung, der Beste setzt sich durch. Es gibt keinerlei Hilfsmittel, nur den eigenen Kopf“, erklärt er. Einige erstklassige Köpfe sind in Vellmar mit von der Partie. Die 18-jährige Diana Baciu aus Moldawien ist die beste Spielerin ihres Landes. Großmeister Lev Gutman ist dabei, und als stärkster Spieler des Turniers gilt der Internationale Meister Ilja Schneider aus Hannover.

Von Meike Schilling

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