Eine Million Euro investiert

Ein Haus für alle Generationen in Lohfelden

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Farbenfroh und hell: Die Tagespflege-Einrichtung im Mehrgenerationenhaus in Lohfelden soll den Kunden alles bieten, was das Herz begehrt – vom gemütlichen Wohnzimmer zum Zeitunglesen bis zum Wellnessbad, der schnell zum Friseursalon werden kann.

Lohfelden. Lange stand es leer, jetzt kommt wieder Leben in die Bude: Das ehemalige Hotel an der Kulturhalle Lohfelden mitsamt Gaststätte beherbergt ab Ende Februar ein Mehrgenerationenhaus mit Tagespflege.

Der Arbeitersamariterbund (ASB) hatte den vorderen Teil der traditionsreichen Kulturhalle 2015 gekauft. Seit 2016 läuft der Umbau. Der Plan: Während unten Veranstaltungsraum und Kneipe den Bewohnern des Quartiers offen stehen, werden im oberen Stockwerk von 8 bis 16 Uhr Menschen zwischen 70 und 90 Jahren betreut – die Senioren von oben können aber jederzeit auch am Angebot unten teilnehmen. Auf diese Weise würden die Generationen miteinander vernetzt. „Es ist ein Konzept, dass es so im Landkreis noch nicht gibt“, sagt ASB-Geschäftsführer Michael Görner. Überhaupt sei der Landkreis Kassel der einzige, der zwei Mehrgenerationenhäuser hat, neben Lohfelden noch in Hümme (Hofgeismar).

Die Idee, Altenpflege und Quartiersarbeit zu kombinieren, sei bei der Gemeinde gut angekommen, berichtet Görner. „Die Kulturhalle stand immer der Öffentlichkeit zur Verfügung und so soll es auch bleiben.“ Konkret könnte das so aussehen: „Wenn Bürger sich unten zu einem Spiele-nachmittag treffen, können die Senioren, die oben betreut werden, einfach dazukommen“, sagt Tagespflege-Leiterin Bettina Bulik, die schon seit sieben Jahren für den ASB arbeitet und zuvor Pflegedienstleiterin in Kassel war. Ab dem ersten März wird sie mit drei Betreuungskräften mit bis zu 15 Personen basteln, singen, Gymnastik machen und spielen.

Stoffe aus Omas Zeit

Im oberen Stockwerk ist bereits erkennbar, was die Senioren erwartet: Bunt bezogene Stühle und Sofas laden zum Verweilen ein und ein Wellnessbad bietet die Möglichkeit, orthopädische Behandlungen oder Leistungen wie Pediküre in Anspruch zu nehmen. „Wer es nicht mehr zum Friseur schafft, dem holen wir einen her“, sagt Bulik.

Die Räume wurden von der Kasseler Architektin Stefanie Lang hell und farbenfroh gestaltet. Sie hat bereits mehrere ASB-Häuser eingerichtet und setzt auf einen Polster- und Mustermix wie aus Omas Zeiten – teils in Retro-Optik soll es so wirken wie im Wohnzimmer von Tante Trude: „Da hat jeder mal einen Stuhl mitgebracht und so wurde es heimelig.“ Das Essen kommt tiefgekühlt an, wird in der Großküche im Erdgeschoss aufgewärmt und in der Küche zur Südseite serviert. Für die Raucher werde dort noch ein Balkon angebaut.

Wie sich der Betrieb im unteren Stockwerk gestalten wird, ist noch nicht fix. Sicher ist aber: Die Räume stehen Anwohnern nach Anmeldung zur Nutzung zur Verfügung. Die Theke aus dem Gaststättenbetrieb wurde drinnen gelassen. „Das wird hier keine Kneipe, aber einen Kneipencharakter soll es schon haben“, sagt Görner. Zudem sollen regelmäßige Treffs und Vorträge angeboten werden, „um die Lohfeldener vom Fernseher wegzulocken“.

Hintergrund

550 bestehende und neue Häuser werden vom Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus 2017-2020 gefördert. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck habe sich im Haushaltsausschuss lange dafür eingesetzt, das Bundesprogramm um 3,5 Mio. Euro auf 17,5 Mio. im Jahr aufzustocken, heißt es in einer Mitteilung. Davon profitiert auch das Haus in Lohfelden: 30 000 Euro bekommt der ASB für Sach- und Personalkosten vom Bund. Das gesamte Konzept beziffert Geschäftsführer Michael Görner auf eine Million Euro – 303 000 Euro kommen dafür vom Land Hessen, 302 000 Euro aus einem zinslosen Darlehen vom Land, der Rest wird aus Eigenmitteln des ASB gestemmt.Das Konzept werde zudem mit 10 000 Euro von der Gemeinde Lohfelden bezuschusst.

Nächstes Projekt: Auf der Wiese hinter der Kulturhalle soll für 4,5 Millionen Euro ein Haus für Betreutes Wohnen mit bis zu 25 Mietwohnungen unterschiedlicher Größe entstehen.

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