„Sicherung muss top sein“

Nach spektakulärem Einbruch ins Ratio-Land: Diskussion um Sicherungssysteme

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Durchbruch: Zunächst zerstörten die Unbekannten mit dem gestohlenen Golf die Tür eines Nebeneingangs. Dann fuhren sie weiter und durchbrachen die Scheiben des Saturn-Marktes. Das kleine Bild zeigt das Tatfahrzeug, das die Täter im Eingang des Elektronikmarktes stehen ließen. Fotos: Polizei / nh

Baunatal. „Das ist eine Schweinerei“, sagt ein Kunde vor dem Ratio-Land in Hertingshausen. Gemeinsam mit seinen in lockerer Runde zusammenstehenden Gesprächspartnern ist sich der Mann sicher, dass der Einbruch in der Nacht zu Mittwoch in den Einkaufsmarkt eine ganz dreiste Sache gewesen ist.

Auf HNA-Online, sagen die Passanten, hätten sie die ganze Sache verfolgt.

In der Tat ist das Vorgehen spektakulär: Die drei Täter waren nach Angaben der Polizei mit einem zuvor in Baunatal gestohlenen silbernen VW Golf durch die Tür eines Nebeneingangs gebrochen. Von dort fuhren sie in dem Fahrzeug etwa 30 Meter weiter zum Eingang des Saturn-Elektronikmarktes. Auch die dortigen Glastüren fuhren sie mit dem Pkw brachial kaputt. Anschließend räumten die Unbekannten Handys, Tablets und hochwertige Fotokameras aus den Regalen. Dann flüchteten sie in einem ebenfalls in Baunatal entwendeten dunkelblauen Golf Variant, mit dem sie auch in den Markt gefahren waren.

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Die Passanten am Ratio-Land diskutieren am Donnerstag auch über die Sicherheitseinrichtungen an einem so großen Einkaufsmarkt. „Die sollen Poller hinter die Türen machen“, sagt einer. Und eine Kundin ergänzt: „Es wird so viel Geld ausgegeben für den Bau eines solchen Marktes. Aber für richtige Sicherungen ist nichts da.“

Auch Versicherungen, die solche Einkaufszentren und Läden betreuen, achteten heute immer mehr darauf, dass Läden vernünftig elektronisch gesichert seien, sagt Walter Thomas, Pressesprecher des Bundesverbands der Versicherungskaufleute. Es müsse Meldeanlagen mit direkter Verbindung zu Sicherheitsdiensten oder zur Polizei geben. „Versicherungen können das verlangen.“

Auch die mechanische Absicherung von Läden – etwa durch verstärktes Glas – wird laut Thomas geprüft. „Mechanische Sicherungen müssen heutzutage top sein“, sagt der Experte.

Die Polizei indes verrät nicht, mit welchen Sicherheitseinrichtungen der Markt versehen war. An der Tür, die die Täter zunächst durchbrachen, ist ein Aufkleber befestigt mit der Aufschrift „Achtung – alarmgesichert“. Auch über die Zeit, die verging, bis die ersten Kräfte von Polizei oder einem privaten Sicherheitsdienst am Einbruchsort ankamen, macht die Polizei keine Angaben.

Polizeisprecher Torsten Werner verweist darüber hinaus noch mal auf die Tatorte, an denen die beiden Autos gestohlen wurden. Der dunkelblaue Golf Variant wurde an der Theodor-Heuss-Allee in Baunatal entwendet, der silberne Golf an der Dürer-Straße ebenfalls in Baunatal. Die Beamten hoffen so auf Zeugenhinweise zu den Taten.

Einbruch mit gestohlenem Auto in Ratio-Land

Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Polizei aus der Auswertung eines am Tatort aufgenommenen Videos aus einer Überwachungskamera. Einer Verwertung der Bilder zur öffentlichen Fahndung stimmte laut Werner ein Richter am Donnerstag noch nicht zu.

Übrigens: Warum die Airbags des silbernen Golf nicht aufsprangen, wie auf dem einen Foto zu sehen ist, wird laut Polizei noch geprüft.

Von Sven Kühling

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