Nach Einbrüchen und Betrug: Staatsanwältin plädiert auf Haftstrafen

Lohfelden/Söhrewald. Nach dem Plädoyer von Staatsanwältin Ingrid Richter fließen im Flur des Kasseler Landgerichts Tränen. Denn im Prozess um mehrfachen Einbruchdiebstahl und Versicherungsbetrug hat die Anklagevertreterin nicht nur Gesamtfreiheitsstrafen von je fünf Jahren für einen 31-Jährigen aus Lohfelden und einen 42-Jährigen aus Söhrewald gefordert.

Sie hat auch beantragt, die Haftbefehle wieder in Vollzug zu setzen. Einigen Angehörigen setzt das zu.

Die Strafforderungen der Staatsanwältin gründen sich primär auf sechs Einbruchdiebstähle im Raum München, die die beiden Männer gestanden haben – und einen, den sie nicht gestanden haben. Allein bei letzterem soll die Beute 30 000 Euro wert gewesen sein. Für weitere Einbrüche, die den Männern ursprünglich zur Last gelegt worden waren, beantragt sie Freispruch. Doch sind da noch die beiden fingierten Autounfälle, mit denen die Angeklagten versuchten, mehrere tausend Euro aus ihren Versicherungen herauszuholen. Der Lohfeldener war dabei erfolgreich, der Söhrewalder nicht. Auch das haben sie gestanden.

Rechtsanwalt Steffen Ufer aus München, der den Lohfeldener verteidigt, beginnt sein Plädoyer gestern mit großer Schelte für die Haftbefehls-Forderung. Mit bundesrichterlicher Rechtssprechung sei diese nicht zu vereinbaren, konstatiert er.

Ufer entschuldigt sich aber auch. Dafür nämlich, dass sein Mandant in der Haftprüfung ein falsches Geständnis abgelegt und damit die gesamte Verhandlung belastet habe. Er, der Anwalt, habe damals nicht gewusst, dass der 32-Jährige, um frei zu kommen, auch Einbrüche gestand, mit denen er nichts zu tun hatte. Die Kinder des Mandanten hätten sehr unter der U-Haft des Vaters gelitten: „Das hat ihn fertig gemacht.“

Den einen noch streitigen Fall, betont der Anwalt, habe der Mandant aber nie gestanden – und er sei ihm auch nicht nachzuweisen. Die Gesamtfreiheitsstrafe solle nicht über drei Jahren liegen, fordert er. Der Verteidiger des Söhrewalders fordert gleiches für seinen Mandanten. Die beiden Angeklagten selbst versichern dem Gericht, sie wollten ihr Leben grundlegend ändern. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.

In dem Verfahren ebenfalls angeklagt ist ein Mann aus Sontra. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe wegen Hehlerei. Der Verteidiger fordert Freispruch.

Von Katja Schmidt

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