Polizei legte Kriminalstatistik für Altkreis Kassel vor

Einbrüche verunsichern Menschen - Banden reisen weit an

Kreis Kassel. Die steigende Zahl von Einbrüchen in Häuser und Wohnungen hat in den vergangenen Monaten viele Menschen verunsichert.

Die Polizei hat nun die Kriminalstatistik 2014 für die Kommunen im Altkreis Kassel vorgelegt: Danach ist die Zahl der Diebstähle aus Wohnungen im vergangenen Jahr in fast allen Gemeinden gestiegen, wenn auch unterschiedlich stark.

Besonders in autobahnnahen Gemeinden wie Fuldabrück (44 Fälle, gegenüber 18 im Vorjahr 2013), Kaufungen (Steigerung von 14 auf 26 Fälle) und Niestetal (von 14 auf 46 Fälle) schlugen die Täter zu. Aber auch im kleinen Nieste wurden 16 Einbrüche registriert (im Vorjahr: vier).

In Ahnatal haben sich die Wohnungseinbrüche sogar mehr als verdoppelt (von drei im Vorjahr auf 8 Fälle). Auch in Fuldatal verdoppelte sich die Zahl (von 14 auf 28 Fälle). In der Stadt Vellmar stieg die Zahl der Wohnungsaufbrüche von 32 im Vorjahr auf 43. Lediglich in Espenau sank die Zahl der Einbrüche um einen Fall auf sieben.

„Bei Einbrüchen in der Wohnung entsteht nicht nur ein materieller, sondern auch ein psychologischer Schaden“, erläuterte Erster Polizeihauptkommissar Wilhelm Küllmer, Leiter des Reviers Kassel-Ost. Die Einbruchsopfer seien oft stark verunsichert, wenn ein Fremder in den intimen Bereich der eigenen vier Wände eingedrungen sei. Häufig seien es professionell agierende Banden, die von weit her anreisen. Sie haben es gezielt auf Geld und Schmuck abgesehen. Ihre Informationen beziehen sie aus dem Internet. So googeln sie Wohngebiete, die über die Autobahn schnell zu erreichen und zu verlassen sind. Die Qualität der Wohngebiete werde anhand von Grundstückspreisen und Mietspiegeln ausgewertet. Die Ermittlung der Täter sei schwierig, sagte Küllmer, oft dauere es lange Zeit, bis man ihrer habhaft werde. In der Regel führe erst die Zusammenarbeit vieler und auch entfernter Stellen zum Erfolg.

Steigerungen gegenüber dem Vorjahr gab es auch bei Drogendelikten und häuslicher Gewalt. Bei den Drogendelikten führte der erhöhte Kontrolldruck der Polizei für vermehrte Anzeigen. Häusliche Gewalt gebe es in allen Bevölkerungsschichten, sagte Kriminaloberrat Hartmut Konze von der Polizeidirektion Kassel, sie werde aber häufiger angezeigt, weil die Frauen sich eher trauen.

Der Handtaschenraub ging zurück, dafür wurden ältere Frauen häufiger mit dem Enkeltrick reingelegt und um ihr Erspartes gebracht. Auch hier handele es sich um professionell agierende Banden, die sich anhand von Telefon- und Namensdaten gezielt vorbereiten. Die Zunahme von Menschen mit Demenz oder beginnender Demenz spiele ihnen in die Hände, sagte Konze.

Positiv bewertete die Polizei, dass es 2014 im Altkreis Kassel nur einen Mordfall gab. Im Januar 2014 hatte eine 49-Jährige aus Obervellmar ihre 54-jährige Nachbarin mit einem Messer getötet. In der Kriminalstatistik sind zwar drei Tötungsdelikte aufgeführt. Dabei handelt es sich aber um ein Tötungsdelikt mit einem Pollerwurf auf der B  7 im August 2013 und ein Tötungsdelikt mit einer Machete im Juni 2013. „Diese Taten sind in der Statistik für 2014 erfasst worden, weil es sich um eine Ausgangsstatistik handelt“, erklärt Karl-Ludwig Lamp, Leiter des Polizeireviers Nord. Die Straftaten würden also erst in der Statistik erfasst, wenn die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind und die Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden.

Rubriklistenbild: © dpa

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