Einbürgerung: Deutschkenntnisse müssen nachgewiesen werden

Kreis Kassel. Die deutsche Sprache zu beherrschen, ist eine wichtige Voraussetzung, um sich in Deutschland integrieren zu können. Dies betont Holger Syborg vom Einbürgerungs- und Staatsangehörigkeitswesen der Kasseler Kreisverwaltung.

Eine Szene im Kreishaus. Ein bisschen aufgeregt sei sie schon, sagt Ludmila Fleck. Die 35-Jährige sitzt im vierten Stock des Kreishauses mit Blick über Teile von Kassel und zum Herkules. Holger Syborg von der Kreisverwaltung überprüft noch einmal alle Papiere, dann kommt der feierliche Moment. Ludmila Fleck erklärt, das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik zu achten.

Sie erhält ihre Urkunde, ausgestellt vom Regierungspräsidium, und ist damit deutsche Staatsbürgerin. „Es war eine bewusste Entscheidung“, sagt die ehemalige Ukrainerin. Ganz leicht sei der Schritt zwar nicht, gern hätte sie eine doppelte Staatsangehörigkeit gehabt. Jetzt aber sei sie froh, Deutsche zu sein. „Ich habe hier mein Leben, meinen Beruf“. In Vaake, wo sie mit ihrem Ehemann lebt, „ist meine Umgebung zu 99 Prozent deutsch“.

Jetzt gehört Ludmila Fleck offiziell dazu, das ist ihr wichtig. Sie hat sich in Nordhessen integriert, unterrichtet an der Grundschule in Reinhardshagen, engagiert sich im Turnverein, leitet Kindergottesdienste und ist im Singkreis aktiv. Wenn sie ihre Angehörigen in der Millionenmetropole Kiew besucht, erkenne sie die Stadt und die Menschen kaum wieder. „Alles ändert sich, ich fühle mich da schon fremd.“

Mit 24 Jahren war sie als Au-pair nach Deutschland gekommen. Damals konnte sie kein Deutsch, sprach in der Familie nur Englisch, zunächst. Ihre Gastgeber unterstützten sie, die Sprache zu lernen. Und sie hielten Kontakt, als die junge Frau nach einem Jahr wieder zurück nach Kiew musste, um ihren Uni-Abschluss in Englisch und Literatur zu machen. Dann fragten die deutschen Freunde, ob sie wieder nach Kassel kommen und hier studieren wolle. So machte Ludmila Fleck, die inzwischen ihren Mann kennengelernt hatte, ihren Magister in Englisch, einen Abschluss in Germanistik und in Deutsch als Fremdsprache und hängte ein Referendariat dran, um als Lehrerin arbeiten zu können. Bei all dem habe sie keine Nachteile erfahren, nur weil sie Ukrainerin war, sagt sie.

Dennoch wurde ihr schnell klar, dass sie auch den Pass jenes Landes haben wollte, in dem sie sich zu Hause fühle. Dass sie als Gleiche unter den Menschen leben wollte, deren Mentalität sie teile. Darin bestärkten sie die Erfahrungen mit ihrem Heimatland. Die ukrainische Botschaft habe viele Schwierigkeiten gemacht, als sie nach der Heirat den Namen ihres Mannes annahm. Und die Besuche im Generalkonsulat in Frankfurt – „immer fehlte angeblich etwas“, sagt Ludmila Fleck. Obwohl sie sich zuvor genau informiert hatte. Als Deutsche werden die Behördengänge andere sein, auch wenn sich sonst im Leben von Ludmila Fleck nicht viel ändern soll.

Von Michael Schräer

Hintergrund I: „Sprache wichtig für Integration“

Holger Syborg vom Einbürgerungs- und Staatsangehörigkeitswesen der Kreisverwaltung begleitet Menschen, die ihre alte Staatsangehörigkeit aufgeben wollen, um die deutsche anzunehmen. Die stärkste Gruppe komme aus dem ehemaligen Ostblock, aus Polen, der Russischen Föderation, der Ukraine und aus Kasachstan. Voraussetzungen für eine Einbürgerung:

• Acht Jahre mit Visum, Aufenthalts- und Niederlassungserlaubnis in Deutschland aufhalten. • Deutschkenntnisse mindestens auf Abschlussniveau Realschule. • Einbürgerungstest. • Eigene Einkünfte, kein Bezug von öffentlichen Mitteln. • Integrationskurs mit insgesamt 660 Stunden. Die deutsche Sprache zu sprechen, sei die wichtigste Voraussetzung für eine Integration. „Das fällt Frauen leichter als Männern“, sagt Syborg. (mic)

Hintergrund II: Einbürgerungen im Landkreis

Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis Kassel 214 Einbürgerungen. Einen Höhepunkt an Menschen, die die deutsche Staatsangehörigkeit bekamen, hat es laut Holger Syborg vom Landkreis 2005 mit 340 Personen gegeben. Dies sei eine Folge des EU-Beitritts Polens im Jahr 2004 gewesen. In den folgenden Jahren ging die Zahl stetig zurück. 2006 waren es 278, 2007 noch 243 und 2008 erhielten 195 einen deutschen Pass. (mic)

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