In Kaufungens Grundschulen und Kitas waren Kinder aufgerufen, fünf Tage lang zu Fuß zu kommen

Eine Woche ohne Elterntaxi

Gehen diese Woche zu Fuß: Grundschüler der Klasse 4a. Foto: Habich

Kaufungen. Die Schüler der Klasse 4a sind heute etwas früher gekommen. Den wenigen Autos, die an der Ernst-Abbe-Schule in Oberkaufungen vorbeifahren, strecken sie ihre Plakate entgegen. „Zu Fuß ist Hammer. Füße sind zum Laufen da.“ In den beiden Kaufunger Grundschulen und allen Kindergärten in der Gemeinde geht heute eine „autofreie Woche“ zu Ende.

Alle Kinder sollten fünf Tage lang zur Schule laufen, anstatt sich von Eltern mit dem Auto bringen zu lassen. Klassenlehrer Matthias Pengel sieht die Aktion als vollen Erfolg. Alle 20 Jungen und Mädchen der 4a sind diese Woche zu Fuß oder mit dem Fahrrad gekommen. Pengel verweist auf die leere Straße vor der Schule: „Normalerweise ist hier alles voller Autos.“ Die Aktion habe aber nicht nur den Sinn, das morgendliche Verkehrschaos vor der Schule zu verhindern. „Es ist auch eine super Sache für die Schüler, sich mal wieder zu bewegen“, sagt er.

Es sei einfach besser für die Kinder zu laufen, findet auch Pengels Kollegin Margita Huhn-Gabel. Bewegung und frische Luft steigerten schließlich die Konzentrationsfähigkeit. Kinder könnten Kontakte knüpfen, indem sie in Gruppen zur Schule gingen und würden so nebenbei selbstständiger. Schlechtes Wetter lässt die Lehrerin als Argument, die Kinder zu fahren, nicht gelten. „Die sind doch alle mit guter Regenkleidung ausgerüstet.“

Auch ein weiter Weg sei keine Entschuldigung, zur Schule zu fahren. Eltern könnten ihre Kinder dann einfach auf halber Strecke absetzen, anstatt sie bis vor die Tür zu bringen, findet Huhn-Gabel. Wie bei der Viertklässlerin Alina, die in Niederkaufungen wohnt. „Meine Mutter setzt mich morgens bei meiner Freundin ab. Von dort sind es nur noch zehn Minuten, die laufen wir zusammen“, erzählt die Zehnjährige. Vollständig wird sich die autofreie Schule auf Dauer nicht durchsetzen, glaubt Katja Schöne, Vorsitzende des Elternbeirats. „Viele Eltern wollen ihre Kinder aus Sicherheitsgründen nicht allein laufen lassen. Und sie zu Fuß zu bringen, dafür hat nicht jeder die Zeit. Das muss man respektieren.“

So geht es zu Beispiel Klaus Oetzel. Trotz autofreier Woche fährt der Vater mit dem Wagen vor, um seinen Sohn Luis abzusetzen. „Ich bin heute ein schlechtes Beispiel“, sagt Oetzel. „Aber wir wohnen weiter entfernt. Ohne Auto schaffe ich es zeitlich nicht.“ Neben ihm steht sein Sohn Carlos, den er jetzt in den Kindergarten bringen muss, danach muss er weiter zur Arbeit. „Und wir sind immer ganz schön müde, stimmt’s Carlos?“

Von Irene Habich

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