Eiserne Konfirmanden aus Ihringshausen erinnerten sich an das Jahr 1947

Eine Zeit voller Entbehrungen

Stellten sich zum Gruppenbild: Die Jubilare des Konfirmandenjahrgangs 1947 aus Ihringshausen mit dem Pfarrerehepaar Verena und Detlev Küllmer (hinten zweite und dritter von rechts). Foto: Hobein

Fuldatal. Knapp zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Ihringshäuser Kirche 22 Mädchen und 14 Jungen konfirmiert. Es war der 30. März 1947, als sie mit dem ersten Abendmahl in einen neuen Lebensabschnitt, in die Erwachsenenwelt entlassen wurden. Fast auf den Tag genau feierten sie nach 65 Jahren ihre Eiserne Konfirmation.

Bei dem seltenen Jubiläum waren nur noch 18 Frauen und Männer dabei, die sich in einem von dem Pfarrerehepaar Verena und Detlev Küllmer gestalteten Gottesdienst, der vom Volkschor 1913 Ihringshausen musikalisch begleitet wurde, an ihre Konfirmandenzeit und die Jahrzehnte danach erinnerten.

„Es war damals eine entbehrungsreiche Zeit“, sagt Marga Hobein, geborene Köppler, die das Konfirmationsjubiläum zusammen mit Christa Diegler, geborene Thiel mit organisiert hatte. In ihrer gemeinsamen Predigt erinnerte das Pfarrerehepaar an diese zurückliegende Zeit mit all den Erlebnissen, an Schicksalsschläge, freudige, glückliche Momente sowie die vielen Veränderungen im Leben der Jubilare.

Sie stellten ein Wort des Propheten Jeremia in den Mittelpunkt ihrer Predigt: „Gesegnet ist der Mensch, der sich auf Gott verlässt und der sein Vertrauen auf den Herrn setzt. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt.“ Das unsichtbare Geheimnis des Baumes liege in seinen Wurzeln, mit denen er fest im Boden verankert sei und so vom Sturm nicht so leicht umgeworfen werden könne. Übertragen auf uns Menschen könne man in den Stürmen des Lebens bestehen, wenn man mit Gott fest verwurzelt sei.

Strenger Pfarrer Hehn

Die schwierige Nachkriegszeit wurde bei den eifrig ausgetauschten Erinnerungen während des gemeinsamen Mittagessens sowie der Kaffeetafel im Haus Schönewald in Simmershausen immer wieder angesprochen. Dabei erinnerten sich die Jubilare auch der strengen, zweijährigen Konfirmandenzeit mit Pfarrer Wilhelm Hehn, der gern und viel geraucht habe. Wenn es im Unterricht nicht klappte,

konnte er auch bösartig werden, wussten viele zu berichten.

„Die Zigaretten besorgte er sich aus den amerikanischen Care-Paketen“, weiß Gerhard Schmidt. Die hätte man gern selbst gehabt, „nicht um zu rauchen, sondern um Brot beim Bäcker für unsere kinderreiche Familie einzutauschen“. An die schwierige Aufbauzeit nach dem Krieg erinnert sich Rita Köther, geborene Mandt, deren Vater bei den Hessischen Braunkohlen- und Ziegelwerken (HBZ) arbeitete und sich einen Fuhrbetrieb aufbaute. Auch Thea Schade, geborene Apel, berichtet über die Zeit der letzten Kriegstage, als die Schmiede des Vaters durch amerikanische Artilleriegeschosse zerstört wurde und in einer Behelfsschmiede die Bergbauarbeitsgeräte für die HBZ in Ihringshausen geschärft wurden.

Dennoch, dankbar dachten die ehemaligen Konfirmanden an die vergangenen 65 Jahre zurück, die sie alle in einer friedlichen Zeit erlebten.

Von Klaus Hobein

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