Ein Hauch von Abenteuer

Bundespolizei lockte mit spektakulären Übungseinsätzen 8000 Besucher

Fuldatal. Nicht immer sind Polizeieinsätze unumstritten, zumal wenn es Verletzte gibt. Doch beim Tag der offenen Tür waren die zum Teil sehr spektakulären Übungen der Bundespolizei ein Renner. Sie lockten bis zum späten Nachmittag 8000 Besucher auf das weitläufige Gelände bei Ihringshausen.

Schon mehr als eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung standen zahlreiche Neugierige am Eingang des Geländes. Ein Verkehrschaos blieb aus, weil viele Besucher den Shuttle mit Polizeibussen nutzten.

Die Besucher mussten allerdings auf die zum Auftakt vorgesehenen Fallschirmabsprünge der Sondereinheit GSG 9 verzichten. Die Sprünge seien wegen des wolkenverhangenen Himmels abgesagt worden, sagte Polizeisprecherin Regina Balzer.

Doch auch ohne GSG 9 gab es viele spektakuläre Einsätze zu sehen: Chaoten haben keine Chance, wenn die Bundespolizei mit gleich drei Hubschraubern herandonnert. Die kostenlos mit Ohrstöpseln ausgerüsteten Schaulustigen verfolgten, wie vermummte „Täter“ ein Auto demolierten und Polizisten mit Flaschen „bewarfen“, dann aber schnell von der aus Helikoptern abgesetzten Beweissicherungseinheit eingekreist und „festgenommen“ wurden. Viele Besucher beeindruckte auch die Kraft, die Wasserwerfer als „Ordnungsmittel“ entfalten. „Bisher habe ich das nur im Fernsehen gesehen. In der Realität wirkt ein Wasserwerfer noch einschüchternder. Kinder beeindruckt das besonders“, sagte Manfred Schröder aus Ahnatal, der sich mit seiner Frau Marlene, der Tochter Maren und den Enkeln Jakob und Anouk nach einem Rundgang eine Essenspause im Festzelt gönnte.

Spektakuläre Einsätze, spektakuläre Fotos

Tag der offenen Tür der Bundespolizei in Fuldatal

Viele Familien nutzten den Tag zu einem gemeinsamen Ausflug mit einem Hauch von Abenteuer. „Das ist ein sehr gelungenes Fest. Den Kindern wird viel geboten“, sagte Andreas Jäckel. Der Kasseler gönnte sich wie viele eine Fahrt auf dem Motorradkarussell. Das war ein Renner, wie die Warteschlange bewies.

Hütchen-Trick und gesprengter Automat

Egon Pairan aus Fuldatal wird diesen Tag auf dem Bundespolizeigelände nicht so schnell vergessen: Erst war sein Schlüsselbund weg, dann auch noch die Brieftasche. Dabei hatte er Letztere extra in die Innenseite seiner Weste gesteckt.

Trotzdem freute sich der Fuldataler. Er bekam sein Hab und Gut von Maurice Vogelmann wieder und lernte einiges. Der Bundespolizist zeigte den Besuchern, wie Langfinger arbeiten und ihre Opfer mit einem Rempler oder dem Hütchen-Trick ablenken: Ein Mittäter führt ein Geschicklichkeitsspiel mit unter Hütchen verborgenen Kugeln vor, während der Kumpan die Schaulustigen „erleichtert“.

Abseits der spektakulären Einsätze, die den Weg in die Nachrichtensendungen finden, leistet die Bundespolizei auch Aufklärung für den Bürger. Er sei an Schulen, wo er Schüler vor Mutproben auf Bahnhöfen und Bahngleisen warne, und auch am Frankfurter Flughafen im Einsatz. Von ihm erfahren Touristen, wie sie ihr Gepäck vor Langfingern sichern. „Umhängetaschen scheinen geradezu für Diebe hergestellt zu werden“, erklärt Vogelmann seinen Zuhörern. Eine Dame erinnert das unliebsam an einen Spanienurlaub, in dem sie Opfer wurde. Niemals Wertsachen in der Umhängetasche lassen, lautet Vogelmanns Regel. Alle nicken.

Ein paar Meter weiter steht sein Kollege Christoph Büttner vor einem großen Fahrkartenautomaten, der so aussieht, als habe ihn eine Riesenfaust getroffen. In Südhessen habe es seine Serie von Sprengungen solcher Automaten gegeben, sagt der Bundespolizist. Die Täter hätten den Münzschlitz mit Panzerband zugeklebt, das Gas aus einer Camping-Kartusche mittels Schlauch hineingeleitet und gezündet, erklärt Büttner. Drei mutmaßliche Täter habe man zwar gefasst. Es sei aber nicht ausgeschlossen, „dass die Masche nach Nordhessen herüberschwappt“, sagt er.

Überhaupt müssen sich die Bundespolizisten oft mit dem Erfindungsreichtum von Tätern herumschlagen: Ein Polizist zeigt eine Kralle, mit dem Castor-Gegner den Fahrdraht der Eisenbahn außer Gefecht setzen.

850 Polizisten zeigten ihr Können

Beim Tag der offenen Tür der Bundespolizei in Fuldatal waren nicht nur die 250 Beamten des Standorts aktiv. Weitere rund 600 Bundespolizisten von weiteren Standorten in ganz Deutschland zeigten den Zuschauern ihr Können. Die Besucher konnten den Einsatz einer Hundertschaft sowie die Reiterstaffel bei der Arbeit verfolgen. Andere Beamte zeigten, wie sie mit technischem Gerät Demonstranten von Bäumen herunterholen. Hautnah erlebten die Besucher auch, wie sich die Polizisten mit hartem Training für ihre Einsätze fit halten. (pdi)

Von Peter Dilling

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