Feuerwehren warten bisher vergeblich auf Unterlagen – Hessenforst will bis Herbst Informationen liefern

Fehlende Pläne: Feuerwehren bei Waldbrand orientierungslos

Gefahr im Wald: Vergangene Woche geriet am Bilstein im Kaufunger Wald ein Holzrückfahrzeug in Brand. Die Feuerwehr hatte große Schwierigkeiten, genügend Löschwasser heranzuschaffen. Foto: zss

Kreis Kassel. Stell dir vor, der Kaufunger Wald brennt, und die Feuerwehr kann nicht löschen, weil sie den Weg zum Einsatzort nicht findet. Genau so erging es der Kaufunger Wehr am 26. März, als an der Auerhahnhütte oberhalb der Königsalm eine Forstmaschine in hellen Flammen stand.

Das Löschfahrzeug musste sich damals vom Rettungshubschrauber Christopher 7 im Tiefflug den Weg weisen lassen.

Erst vor wenigen Tagen das gleiche Bild bei einem zweiten Maschinenbrand bei Großalmerode: Auch hier hatte die Wehr erhebliche Probleme, zum Einsatzort zu kommen. Auch hier mussten die Tanklöschfahrzeuge zurück ins Tal fahren, um neues Löschwasser zu fassen.

Ursache der Misere: Der Staatsbetrieb Hessenforst hat die Feuerwehren bis heute nicht mit Einsatzplänen ausgestattet, die bei einem Waldbrand über mögliche Anfahrwege, Rettungspunkte, Löschwasserteiche und Sammelstellen für die Einsatzkräfte informieren.

Eigentlich schreibt der Erlass des hessischen Umweltministeriums zur Waldbrandbekämpfung in Hessen schon seit dem 28. März 2007 vor, dass Hessenforst die Kommunen und ihre Wehren mit den entsprechenden Informationen ausstatten muss, doch geschehen ist bislang nichts.

Sebastian Mazassek, beim Landkreis Kassel für Brand- und Katastrophenschutz zuständig und möglicher neuer Kreisbrandinspektor, bezeichnet die Situation als „unbefriedigend“. Betroffen seien nicht nur der Kaufunger Wald, sondern seiner Kenntnis nach alle hessischen Wälder. Mazassek: „Niedersachsen ist da viel weiter als wir, dort haben alle Wehren entsprechende Einsatzpläne.“

Immerhin habe Hessenforst auf Druck des Kasseler Regierungspräsidiums (RP) das Problem jetzt erkannt und zugesagt, innerhalb der nächsten sechs Wochen die Pläne vorzulegen.

Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) hatte den Landesbetrieb schon im Februar 2011 auf den Missstand hingewiesen. Weil sich nichts tat, schaltete er das Regierungspräsidium ein, das den Landesbetrieb mehrfach aufforderte, die vorgeschriebenen Pläne an die Wehren zu liefern. Erfolglos.

Bei einem Treffen von RP, Hessenforst und Vertretern der Wehren aus Kaufungen, Nieste, Helsa, Witzenhausen und Großalmerode in Hessisch Lichtenau am Mittwoch dieser Woche kam endlich Bewegung in die Sache. Hessenforst verpflichtete sich, entsprechend dem fünf Jahre alten Erlass des Umweltministeriums die Einsatzpläne bis zum Herbst vorzulegen.

Niestes Bürgermeister Paul zeigt sich fassungslos über die jahrelange Untätigkeit des Landesbetriebes, die Weisungen der Landesregierung umzusetzen. „Fünf Wehren wollen aus allen Richtungen zum Brandherd vorrücken und keine weiß, wo’s langgeht.“ Paul beklagt die fehlende Sensibilität bei Hessenforst für die Waldbrandgefahr: „Die wissen offenbar gar nicht, was los ist, wenn der halbe Kaufunger Wald abfackelt.“

Von Thomas Stier

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