Interview: Bürgermeister Andreas Siebert

Feuerwehr Niestetal: „So einen Streit braucht keiner“

Training: Unser Foto zeigt Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Niestetal, die im Sommer 2011 ein Training im Brandsimulator absolvierten. Ähnliche Schulungen müssen nun einige Mitglieder der Einsatzabteilung noch durchlaufen. Archivfoto: Hartung

Niestetal. Mitte Dezember eskalierte der Streit in der Niestetaler Feuerwehr: 30 Aktive samt Wehrführung quittierten den Dienst. Über die Gründe für die Querelen und die Zukunft des Brandschutzes in der Gemeinde sprachen wir mit Bürgermeister Andreas Siebert (SPD).

Herr Siebert, müssen sich die Niestetaler Sorgen wegen eines unzureichenden Brandschutzes machen?

Andreas Siebert: Nein. Der stellvertretende Kreisbrandinspektor, der seit dem Rücktritt der Wehrführung für die Niestetaler Feuerwehr zuständig ist, hat mir gegenüber schriftlich und mündlich erklärt, dass der Brandschutz gesichert ist. Er war im Übrigen immer gesichert. Ich wohne mit meiner Familie auch hier, da gehe ich kein Risiko ein.

Formal hat Niestetal genügend Feuerwehrleute. Aber von der Ausbildung her sind die offenbar nicht auf dem neuesten Stand.

Siebert: Mittlerweile haben wir 48 Aktive in der Einsatzabteilung. Zahlreiche Bürger haben zudem ihr Interesse bekundet, sich in der Feuerwehr zu engagieren.

Wir hatten nach der Ausbildung gefragt. Da hapert es doch noch.

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Siebert: Ich zähle jetzt einfach mal auf: Wir haben 23 Maschinisten, 25 Sprechfunker, 20 Truppführer, sechs Gruppenführer und vier Zugführer. In diesen Bereichen sind wir gut aufgestellt. Der Atemschutz hat im Moment Priorität. Wir haben zurzeit sieben Atemschutzgeräteträger. Diese Zahl werden wir Anfang nächster Woche verdoppeln. Hierfür müssen noch einige Aktive bei der Berufsfeuerwehr Kassel einen sogenannten Streckendurchgang absolvieren.

Der Streit in der Feuerwehr tobte bereits drei Jahre, bevor es zum Eklat kam. Als Bürgermeister sind Sie der Chef der Brandschützer. Warum haben Sie nicht eingegriffen?

Siebert: Wie denn? Die Wehrführung wird demokratisch von der Wehrversammlung gewählt. Soll ich da als Bürgermeister etwa dazwischenhauen? So etwas regelt die Feuerwehr normalerweise intern. Als Gemeinde haben wir aber einen Mediator geholt und ihn der Wehrführung an die Seite gegeben, damit die Probleme gelöst werden.

Das hat ja nun nicht geklappt.

Siebert: Es gab doch auch viele klärende Gespräche mit den Vertretern beider Lager, und zwar mit mir und ohne mich. Wir hatten ja schon eine Einigung gefunden. Aber der Burgfrieden hielt nur zwölf Stunden.

Glaubt man den 30 Aktiven, die die Wehr verlassen haben, dann waren die Störenfriede bekannt. Warum haben Sie diese nicht hinausgeworfen und so der Wehrführung den Rücken gestärkt?

Siebert: Das sagt sich so einfach, zumal man nicht weiß, wo die Störenfriede sitzen bzw. gesessen haben, was in den vergangenen Tagen sehr deutlich wurde. Wir haben die Option eines Ausschlusses aus der Feuerwehr geprüft und uns dabei auch vom Hessischen Städte- und Gemeindebund beraten lassen. Die Juristen haben empfohlen, dem Antrag auf Ausschluss nicht stattzugeben, da die erforderlichen Ordnungsmaßnahmen gegen den Auszuschließenden nach der geltenden Feuerwehrsatzung nicht durchgeführt wurden.

Es heißt, die Fraktion der Altgedienten wollte vor allem saufen und habe sich durch die jungen Wehrleute gestört gefühlt, denen der Brandschutz ein ernstes Anliegen ist.

Siebert: Das Problem ist weitaus vielschichtiger und komplexer, als Sie es hier beschreiben. Im Übrigen ist es unfair, die Altgedienten in die Ecke der Alkoholiker zu stellen. Ich sage nur so viel: Es stimmt nicht, dass nur die Guten weg sind. Es ist ja auch nicht so, dass nur die Alten übrig geblieben sind. 25 der jetzt Aktiven sind unter 40 Jahre alt.

Gegenüber der HNA haben Sie gesagt, man müsse nun wieder miteinander reden statt übereinander. Wie wollen Sie die 30 gut ausgebildeten Wehrleute zurückholen, die bisher die Leistungsträger waren?

Siebert: Es ist unstrittig, dass wir gute Wehrleute verloren haben. Ich würde mich freuen, wenn einige von ihnen ihren Wiedereintritt in die Feuerwehr beantragen würden. Ein Feuerwehrmann hat es bereits getan.

Der Konflikt beschränkt sich längst nicht mehr auf die Feuerwehr, sondern ist ein Thema in der ganzen Gemeinde.

Siebert: Das spaltet, keine Frage. Einen solchen Streit braucht niemand.

Blicken wir nach vorn: Was muss sich nach diesem Eklat in der Niestetaler Wehr ändern?

Siebert: Die Feuerwehr muss in sich gefestigt werden. Die Kameraden sollten künftig mehr miteinander reden. Ich habe die große Hoffnung, dass jetzt endlich Ruhe eintritt, damit die Aktiven ihren Dienst tun und die Ausgetretenen über ihren Rücktritt nachdenken können.

Am Donnerstag trifft sich das Gemeindeparlament zu einer Sondersitzung in Sachen Feuerwehr-Querelen. Was bringt das?

Siebert: Ich hoffe, dass die Veranstaltung nicht weiter spaltet. Das wäre unverantwortlich.

Was ist von Ihnen als Bürgermeister am Donnerstagabend zu erwarten?

Siebert: Ich werde die drei von der CDU gestellten Fragen beantworten.

Nach unseren Informationen wurden die Fraktionen - auch die CDU, die jetzt die Sitzung beantragt hat - bereits im Dezember 2012 um Hilfe gebeten. Die drei Fraktionen SPD, CDU und Grüne haben sich damals für nicht zuständig erklärt.

Siebert: Dem kann ich nicht widersprechen.

Die öffentliche Sondersitzung der Gemeindevertretung zu den Querelen in der Niestetaler Feuerwehr findet am Donnerstag, 7. Februar, ab 20 Uhr im Rathaus (großer Sitzungssaal), Heiligenröder Straße 70, statt.

Zur Person

Andreas Siebert (42) ist seit Oktober 2006 direkt gewählter Bürgermeister der Gemeinde Niestetal. Erste kommunalpolitische Erfahrungen sammelte der verheiratete Vater von vier Kindern in Schauenburg. Im Parlament kann sich der Sozialdemokrat, der vor seiner Bürgermeisterzeit in der Niestetaler Verwaltung arbeitete, auf die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten stützen. Bei seiner Wiederwahl im Juni 2012 war der Verwaltungsfachwirt einziger Kandidat. (ket)

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