Marktplatz: Mit einer Spieluhr hat alles angefangen

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Eigenes Reich: Werner Baus inmitten seiner Schätze.

Schon vor der Tür des Museum kommt der Besucher ins Staunen und Schwärmen. Der Eingangsbereich ist geschmückt mit zahlreichen Filmplakaten vergangener Zeiten.

Berichte über diverse Fernsehsendungen, in denen Werner Baus bereits zu Gast war, zieren die Glastüren. Mit der Tür öffnet sich eine bereits vergangene Welt, die vielen Menschen in schöner Erinnerung geblieben ist, aber andere auch gar nicht mehr kennen. Zur linken Seite schwelgt man durch die Zeit von 1865 bis 1930 und kann Spieluhren, Drehorgeln, Elektrische Klaviere und mehr bestaunen. Zur rechten eröffnet sich die Welt der fünfziger Jahre mit Musikboxen, Radios und Fernsehern. Den vorderen Bereich schmückt eine kleine Kino-Ecke mit originaler Leuchtreklame und Kinosesseln, alle Plakate zeigen Filme, die in Kassel gedreht wurden.

Begeisterter Sammler

Werner Baus sammelt seit sechzig Jahren alles rund um Musik-, Radio- und Kinogeschichte. Als Baus mit 14 Jahren seine Konfirmation feierte, stöberten die Kinder auf dem Dachboden und fanden eine alte Spieluhr. „Diese Uhr befindet sich seit 1895 im Familienbesitz.“, erklärt Baus stolz und singt beherzt zur Musik der Uhr das Volkslied „Freunde lasset uns das Leben genießen“. Dieses Schlüsselerlebnis, ein Vater der leidenschaftlicher Funkamateur war und die Kindheit an der Weserspitze in Kassel, einem Zentrum der Radiotechnik, bildeten das Fundament einer großen Museumslaufbahn und einem Beruf als Orchestrionrestaurator und späterer Klavierbauer. Seinen Beruf als gelernter Versicherungskaufmann gab Baus bald auf und machte sein Hobby zum Beruf.

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Marktplatz: Mit einer Spieluhr fing alles  

Das erste Museum eröffnete der heute 74-Jährige 1972 in Simmershausen, es folgte ein größeres in einem Neubau mit angeschlossenem Wiener Café 1976. Durch seine Sammlung wurde Baus in diverse Fernsehsendungen eingeladen, unter anderem 1977 in Robert Lemkes „Was bin ich?“. Dort mussten Prominente seinen Beruf als Orchestrionrestaurator erraten. „Dieser Auftritt hat mein Leben auf den Kopf gestellt“, sagt Baus . Durch die Sendung erlangten er und seine Sammlung Bekanntheit in ganz Europa. „Zu den besten Zeiten hatten wir Tageseinnahmen von 1500 DM. Doch dann ist 1986 der Fremdenverkehr in Deutschland zusammengebrochen und am schlimmsten Tag beliefen sich die Einnahmen auf 9,60 DM“, erklärt Baus. So kam es, dass das Museum aufgelöst wurde. Doch Baus sammelte weiter. Vor 14 Jahren zogen Baus und seine Frau, die aus Helsa stammt, von Kassel nach Eschenstruth. Für seine private Sammlung mieteten sie den ehemaligen Edeka-Markt. Seit sechs Jahren ist dieser nun ein Museum. Zu dem Museum gehört eine Radiowerkstatt in der Baus selbst Tonmöbel der 50er-Jahre repariert. Deswegen funktionieren auch alle Geräte, die man im Museum bestaunen kann, einwandfrei.

Baus erhält immer wieder zahlreiche Exponate für seine Sammlung, das Lager ist gut gefüllt und langsam geht der Platz aus. Aus diesem Grund veranstaltet das Musik-, Radio- und Kinomuseum dieses Wochenende einen Flohmarkt. Am Samstag und Sonntag sind von 11 bis 17 Uhr die Türen für alle interessierten Besucher zum Schauen und Kaufen geöffnet. „Die Lagerbestände sind einfach zu hoch. Ich möchte einige Exponate an jüngere Sammler weitergeben, damit eine Sammlung wie meine auch noch über lange Jahre weitergeführt werden kann“, erklärt Baus.

Von Diana Haeseler

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