KVG spannt Fahrdraht über die neuen Straßenbahngleise nach Vellmar - Ab September Probefahrten

Einfädeln und stramm ziehen

In luftiger Höhe: René Hunger (von links) und Robert Metz auf der Arbeitsbühne spannen das Tragseil mit einem Kettenzug. Ihre Kollegen (unten) sorgen für Kabelnachschub. Fotos: Dilling

Vellmar / Kassel. Der Verkehr auf der Holländischen Straße fließt spärlich. Während viele Arbeitnehmer den Fronleichnamstag genießen, stehen Robert Metz und René Hunger auf der Arbeitsplattform des Turmwagens und fädeln in 5,50 Meter Höhe das Tragseil für den Fahrdraht der neuen Straßenbahnlinie nach Vellmar ein.

Ein bisschen sieht das aus, als würden sie wie beim Nähen einen Faden durch das Öhr einer Nadel ziehen. Nur dass der „Faden“ hier ein 150 Quadratmillimeter starkes Kupferkabel ist, das unter den beiden Arbeitern von einer Rolle läuft. Vier Tage wird es dauern, bis die Gleise zwischen der Tram-Schleife an der Schenkebier Stanne und der Haltestelle Festplatz in Vellmar elektrifiziert sein werden. In den Sommerferien, Mitte Juli, soll der zweite Abschnitt zwischen Vellmarer Rathaus und der Endhaltestelle Nordstraße am Stadtrand verkabelt werden. Anfang August gibt es dann noch einmal eine Feinabstimmung der Fahrdrähte.

1400 Meter Kabel am Stück werden von den Arbeitern eingefädelt, nachdem die Ausleger von zwei Lkw das Seil auf Arbeitshöhe gehievt haben. Später wird der Fahrdraht, der 100 Quadratmillimeter stark ist, eingezogen und in regelmäßigen Abständen mit dem Tragseil verbunden.

Gefederter Bügel

Aus dem Fahrdraht wird die Straßenbahn mit ihrem gefederten Bügel auf dem Dach bis zu 2000 Ampere Gleichstrom saugen. Diese Stromstärke benötige die Tram allerdings nur beim Anfahren, sagt Projektleiter Mike Heinemann. Unterwegs reiche der Bahn ein Zehntel davon. Die KVG ist Großkunde der Städtischen Werke. Der Betrieb der Straßenbahnen verbraucht nach Angaben Heinemanns 18 Millionen Kilowatt pro Jahr, also so viel wie 4000 Vier-Personen-Haushalte. Und das obwohl die Bahnen einen Teil ihrer Bremsenergie ins Netz zurückspeisen.

30 Jahre soll die elektrische Installation halten. Der Fahrdraht verschleiße allerdings schneller, sagt Heinemann. Der müsse schon nach zehn Jahren ausgetauscht werden.

Ab September bis weit in den Oktober hinein werden alle 300 Straßenbahnfahrer auf der Vellmarer Strecke geschult. „Die Fahrer sollen sich

an die Strecke gewöhnen“, sagt Heinemann. Dazu gehört auch, dass die Fahrer darauf achten müssen, ob die parallel fahrenden Autos auch wirklich anhalten, wenn die Tram die Bundesstraße in Richtung Kreisel überquert.

Von Peter Dilling

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