„Konzert für das Erinnern“ in der Ahnatalschule

Einfühlsame Klänge

Matthias Horndasch am Klavier: Die Lesung in der Ahnatalschule war in ein Konzert eingebunden. Foto: Sommerlade

Vellmar. Darin waren sich wohl alle 150 Besucher des „Konzerts für das Erinnern“ in der Aula der Ahnatal-Schule Vellmar einig: Die Geschichte jener Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus leiden mussten, darf niemals vergessen werden.

Dafür setzte sich Matthias Horndasch mit seinem Klavierkonzert und der darin eingebundenen Lesung aus Zeitzeugenbiografien nachhaltig ein. Der Künstler und Journalist war auf Einladung von Lehrerin Inge Eckehardt-Trinogga am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in die ASV gekommen.

„Wir wollen gemeinsam all derer gedenken, die seinerzeit unter Unmenschlichkeit und Barbarei zu leiden hatten“, begrüßte die Stufenleiterin die Schüler des Jahrgangs 10 sowie weitere interessierte Gäste. „Es ist eine harte Thematik. Aber leider gibt es hinsichtlich der jüngsten rechtsradikalen Ausbrüche immer wieder aktuelle Gründe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Ähnlich sah dies Horndasch. „Es genügt nicht, nur an einem Tag im Jahr der Opfer zu gedenken. Jeder hat es selbst in der Hand, ein Leben im friedvollen Miteinander zu gestalten“, sagte der aus Hannover stammende Künstler zu Beginn des zweistündigen Wechselspiels aus Konzert und Lesung.

Authentische Berichte

Durch die Lesung von authentischen Berichten von fünf Zeitzeugen vermittelte er der Zuhörerschaft eindrucksvolle Einblicke in die Erinnerungen und Erfahrungen, die sie als Kinder und Jugendliche im Dritten Reich machten.

So wie von Ruth Gröne aus Hannover, Jahrgang 1936. Mucksmäuschenstill war es in der Aula der Ahnatal-Schule, als der Künstler ihre Geschichte erzählte. Wie sie als Dreijährige noch an Hitlers Geburtstag mit allen anderen mitgejubelt hatte. Und wie sie nach der Reichspogromnacht 1938 feststellte, dass plötzlich niemand mehr mit ihr spielen wollte, weil ihr Vater Jude war. Oder die Erinnerung an jene schrecklichen Momente, als die Familie die Wohnung verlassen musste, ihr Hab und Gut verlor und schließlich ins Judenhaus gesperrt wurde.

Oder bei der leise vorgetragenen langen Leidensgeschichte von Salomon Finkelstein, der seinen Weg ins jüdische Ghetto nach Lodz/Polen beschrieb. „Hier mussten die Menschen auf engstem Raum leben. Es wurde niemand erschossen, die Menschen starben alle vor Hunger.“ Zu Gehör kam auch Nachum Rotenbergs Schicksal. „Bei klirrender Kälte gab es im Ghetto kaum Brot, keine Kohlen und nichts mehr zu verbrennen.“ Er berichtet zudem vom anschießenden Transport nach Auschwitz-Birkenau und wie Gefangenen die Goldzähne mit Zangen herausgebrochen wurden. „Schrecklich war auch, dass das Krematorium Nacht für Nacht brannte.“

Den Rahmen der Lesung bildete das einfühlsame Klavierspiel, in dem klassisch wie jazzig anmutende Klänge die geschilderten Erlebnisse auf musikalische Weise ergänzten.

Weitere Informationen zu Matthias Horndasch und dem „Konzert für das Erinnern“ gibt es unter www.horndasch.eu

Von Martina Sommerlade

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