Gastronom berichtet von Einbußen durch Großbaustelle – Viele Geschäftsleute sehen Notwendigkeit des Umbaus

Einige klagen, aber alle hoffen

Schaut gern mal auf die Baustelle: Justus Käse aus Kirchbauna. „Man muss informiert sein“, sagt er. Hier bringt ihm Nadine Rudolph vor dem Bank-Café einen Kaffee. Fotos: Kühling

Baunatal. „Durch die Bauarbeiten habe ich Einbußen von 50 Prozent und mehr“, sagt Karsten Koppelin. Für den Baunataler Gastronomen ist der laufende Umbau des Rathauses deshalb „wirtschaftlich gesehen ein Drama“. Lärm, Staub, Dreck sorgten dafür, dass kaum noch Gäste den Weg in sein Bank-Café sowie das Kontor Brasserie nehmen. „Abends habe ich jetzt teilweise zugemacht.“

Koppelins Betriebe sind direkt am Marktplatz gelegen. So wie das Rathaus auch. Dieses baut die Stadt derzeit für rund 3,5 Millionen Euro um. Insbesondere der Bereich um die frühere Stadtbücherei wird seit gut fünf Wochen modernisiert. Bagger rissen zunächst einen Teil des Rathauses ab. Lärm und Schmutz legten sich zeitweise über die benachbarten Geschäfte.

„Während der Abrissarbeiten hatte ich teilweise Ausfälle von 100 Prozent“, sagt Koppelin zur Anfangsphase. „Beim Abriss war es laut“, berichtet auch Kerstin Köhler, Chefin des benachbarten Dessous-Geschäfts „hautnah“. Trotz dieser Probleme lobt sie die Baufirma. Diese habe dafür gesorgt, dass sich die Belastung durch Staub in Grenzen hielt. Unterm Strich sind die Erfahrungen von Kerstin Köhler trotz der Großbaustelle in der Innenstadt nicht so schlecht. „Dass wir große Einbußen haben, kann ich nicht sagen.“

„Manche meiner Gäste finden die Baustelle einfach spannend.“

Liane Franz, Stadtcafé

Diese Tendenz bestätigt auch Liane Franz vom Baunataler Stadtcafé. „Die Gäste fühlten sich schon ein bisschen gestört“, sagt sie zum Beginn der Arbeiten. Auch wenn sie vom Ort des Geschehens ein Stückchen weg sei, hätten sich viele lieber in den Innenraum des Cafés verzogen. „Es klappert und scheppert manchmal“, sagt Franz mit einem Augenzwinkern. „Den Staub wischen wir weg.“ Und: „Manche meiner Gäste finden die Baustelle einfach spannend.“

Dass sich durchaus Besucher der Cafés in der City für die Arbeiten interessieren, das hat Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler (SPD) ebenfalls beobachtet. Ansonsten verweist Engler auf die Absprachen, die die Stadt und die Baufirmen mit den Geschäftsleuten am Marktplatz getroffen hätten. Jede Sperrung der Zugänge in die Fußgängerzone sei genau besprochen worden. Auch die Wirtschaftsgemeinschaft Baunatal, Stadtmarketing und City-Management seien in die Planungen mit einbezogen worden, betont die Vizebürgermeisterin. „Und ganz ohne Lärm kann man eben nicht bauen.“

Das bewerten auch die Geschäftsleute so. Giesela Sandgaard, Inhaberin der Boutique Janett, geht sogar noch einen Schritt weiter. „Es muss gebaut werden“, sagt sie. „Ich sehe das positiv: Es tut sich was in Baunatal.“

Trotz seines eigenen wirtschaftlichen Schadens äußert Karsten Koppelin Verständnis für die Sichtweise der Stadt. Schließlich habe er als Stadtverordneter (SPD) die Sache mit auf den Weg gebracht, sagt er. „Wenn ich etwas Neues haben will, muss ich das Alte auch wegmachen.“ KOMMENTAR, ARTIKEL UNTEN

Von Sven Kühling

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