Amtsgericht: 54-Jähriger soll Abrechnungen gefälscht haben, um am Unterhalt zu sparen

Amtsgericht: Einkünfte nach unten korrigiert?

Kassel/Vellmar. Im Streit um Kindesunterhalt soll ein 54-Jähriger aus Vellmar falsche Angaben über seine Einkünfte gemacht haben. Wegen Betruges und Urkundenfälschung sitzt er deshalb auf der Anklagebank des Kasseler Amtsgerichts.

„Das ist zu lange her, daran kann ich mich nicht erinnern“, war der am ersten Verhandlungstag von dem Industriekaufmann am häufigsten geäußerte Satz.

Die Vorfälle, um die es geht, liegen sechs Jahre zurück, die Anklage dreht sich um seine Angaben zum Einkommen im Jahr 2006. Im März 2007 hatte ihn das Kasseler Amtsgericht in einem Zivilverfahren zur Zahlung von Unterhalt verurteilt.

Laut Anklage hat er in diesem Verfahren ein Bruttoeinkommen von rund 56.000 Euro angegeben, einschließlich einer Abfindungszahlung von 25.000 Euro, nachdem er den Job in einer Kunststofffirma verloren hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nicht nur vor, dass diese Angaben falsch waren, sie sieht auch ausreichend Hinweise darauf, dass der 54-Jährige gefälschte Gehaltsabrechnungen vorgelegt hat.

Denn tatsächlich, so steht es in der Anklage, habe er in jenem Jahr über ein Bruttoeinkommen von 400.000 Euro verfügt und mit 345.000 Euro eine deutlich höhere Abfindung als von ihm angegeben kassiert.

Er war gegen das Zivilurteil aus der ersten Instanz in Berufung gegangen, weshalb die Sache vor dem Familiensenat des Oberlandesgerichts Frankfurt gelandet war. Dort soll er laut Staatsanwaltschaft erneut falsche Angaben über seine Vermögensverhältnisse gemacht haben.

In der aktuellen Verhandlung sagte der Angeklagte, dass die von der Staatsanwaltschaft aufgeführten Zahlungen „fiktiv“ seien. Denn es habe mit seiner Ex-Firma „nicht unerhebliche Verbandelungen gegeben“. So habe er einige Jahre lang auf seine Gewinnbeteiligung verzichtet und stattdessen in das Unternehmen investiert.

Außerdem habe ihm seine damalige Firma, als er sich von seiner Frau scheiden ließ, ein Darlehen gewährt, damit er seine Gattin habe ausbezahlen können. Diese Geldbewegungen seien dann miteinander verrechnet worden, sodass es sich bei den strittigen Zahlungen nicht um reale Summen handele. Am 27. August wird der Prozess fortgesetzt.

Von Ralf Pasch

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