Vor 100 Jahren wurde das Helsaer Seniorenzentrum als Erholungsheim der kaiserlichen Armee eröffnet

Einst kurten hier die Soldaten

Grundsteinlegung: Im Jahre 1909 wurde mit dem Bau des Kurheims für Soldaten begonnen, 1912 wurde es eingeweiht.

Helsa. Eine wechselvolle Geschichte hat Helsas größtes Gebäude hinter sich: In diesem Jahr wird das von den Helsaern als „Genese“ bezeichnete Haus 100 Jahre alt. Am kommenden Wochenende wird der Geburtstag mit einem Festkommers und einer Ausstellung gefeiert.

Warum 1909 das XI. Kaiserliche Armeekorps sich ausgerechnet Helsa aussuchte für den Bau eines Erholungsheims für lungenkranke Soldaten, ist nicht bekannt. Vielleicht trug ein Zeitungsartikel der „Casseler Allgemeinen Zeitung“ von 1897 dazu bei. Da war zu lesen: „Wegen seiner reinen, gesunden Luft und der erquickenden Ruhe, welche um Helsa herrscht, ist das Dorf schon häufig von den Leidenden und Wiedergenesenen als Aufenthaltsort empfohlen worden. Der Helsaer Waldstille verdankt schon mancher Nervenkranke seine vollständige Genesung.“

Bemerkenswert ist die Finanzierung des Hauses. Das Wort Leasing war noch nicht bekannt, als die kleine Lossetalgemeinde sich auf dem freien Kapitalmarkt 279 000 Reichsmark borgte. Die Zinsen, die nach der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1912 anfielen, übernahm der Militärfiskus als Mietzahlung. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem kurzen Leerstand, ehe das Nationalsozialistische Kraftfahrer-Korps (NSKK) in das Gebäude einzog, um hier Fahrschüler auszubilden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude geplündert, ehe Flüchtlinge aus dem Sudetenland in die umliegenden Baracken einzogen.

Zwischen 1947 und 1970 wurde das Gebäude als Altersheim des Landkreises Kassel genutzt. Danach verwendete vorübergehend ein Fliesenleger aus Großalmerode die Räume als Lagerstätte. In der Folgezeit verfiel das Gebäude immer mehr. 1985 konnte man in der HNA folgende Überschrift lesen: „Ein Schandfleck mit Ruinencharakter“.

Zwei Jahre später zeichnete sich eine Lösung ab, als mehrere Anteilseigner das Gebäude kauften, einen Seitenflügel anbauten und den „Seniorenpark Philippus“ eröffneten. Nach finanziellen Problemen ersteigerte der Hamburger Unternehmer Wilhelm Kuhrt 1994 das Gebäude und errichtete für 15 Millionen DM (umgerechnet 7,7 Mio. Euro) einen weiteren Anbau.

Im heutigen Senioren- und Therapiezentrum können die Heimbewohner unter verschiedenen Wohnformen und Betreuungsangeboten wählen. Gut klappt auch die Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft der örtlichen Vereine.

So unterstützt man sich bei Dorf- und Lichterfesten und stellt Räumlichkeiten für die Vereine zur Verfügung.

Mit seinen 170 Beschäftigten und 220 Bewohnern stellt die Einrichtung einen großen wirtschaftlichen Faktor für die Gemeinde dar. (nh) PROGRAMM / HINTERGRUND

Von Gerd Vogelsang

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