Geschichtsverein Helsa verfügt über persönliche Aufzeichnungen des Greben Vogt

Einträge im Sittenbuch

Markante Handschrift: Johann Adam Vogt schrieb nicht nur eine Chronik, er führte auch Buch über Helsaer Familien. Fotos:  Wienecke

Helsa. Johann Adam Vogt, der bis 1838 Grebe in Helsa war, hat der Gemeinde nicht nur eine Chronik hinterlassen. In einer Bodenkammer des Gasthauses „Weißes Ross“, das seine Frau 1801 erbte, fand sich eine Art Sittenbuch, das er ergänzend führte.

Diese Aufzeichnungen überraschten die Mitglieder des Geschichtsvereins Helsa. Kannten sie doch bisher nur die von Pfarrern geführten Kirchenbücher, die Fakten wie Geburts- und Sterbedaten enthielten. „Besondere Begebenheiten wie Unfälle und Krankheiten wurden manchmal ebenfalls in Kirchenbüchern notiert“, berichtet Karl-Heinz Gauler vom Geschichtskreis Vellmar auf Nachfrage, der solch ein Sittenbuch ebenfalls noch nicht gesehen hat.

„Der Grebe war kein gewählter Bürgermeister, sondern ein vom Landgraf eingesetzter Gemeindevertreter, der vermitteln musste“, erläutert er. Vielleicht sollten ihm seine Kommentare dazu dienen, dem Landgrafen bei Bedarf Rechenschaft geben zu können“, vermutet er.

Neben den persönlichen Daten trug Johann Adam Vogt in sein Buch vermeintliche Verfehlungen der Bewohner ein, die er mit Erklärungsversuchen versah. Einem Schneider beispielsweise, der 1780 geboren wurde, bescheinigt er, ein Wolf in Schafskleidern zu sein. „Er ist im höchsten Maß zanksüchtig, duldet gesetzwidrige Zusammenkünfte in seinem Haus und stiftet Unruhe bei der Jugend. Ist mehrmals deshalb bestraft. Sein Sohn ist ein Nichtsnutz und prügelt den Vater oft. - Die Früchte schlechter Erziehung“, notierte er sich.

Abbild der Gesellschaft

Auch mit einem Bader und Wundarzt geht er hart zu Gericht: „Er ist dem Trunke ergeben. Dem Hauswesen steht er schlecht vor, was er verdient, versäuft er“. Gleichzeitig bilden die Notizen des Greben aber auch die damalige Armut ab. „Die Ehefrau von Ludwig G. starb mit 24 Jahren an Auszehrung“, schrieb er auf.

Das historische Archiv des Geschichtsvereins Helsa im Obergeschoss des Gemeindezentrums Helsa in der Berliner Straße 20 ist mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet. Kontakt zu dieser Zeit unter: Tel. 05605/ 806 53 55, www.geschichtsverein-helsa.de

Von Bettina Wienecke

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