"Sozialer Punkt im Dorf"

Abschied vom letzten Lebensmittelmarkt in Rengershausen

Regelmäßig im Laden: Die Rengershäuserin Petra Ahrens kauft gerne in dem Edeka-Markt.

Rengershausen. „Das ist hier auch ein sozialer Punkt im Dorf", sagt Petra Ahrens während sie ihr Fahrrad wie gewohnt neben der Ladentür abstellt. Seit sie denken kann, kommt sie zu dem kleinen Lebensmittelmarkt an der Guntershäuser Straße. Doch lange wird die 53-Jährige diese Möglichkeit nicht mehr haben.

Inhaber Rustam Lajsev will den Edeka-Markt - der letzte Lebensmittelladen in Rengershausen - zum Ende des Jahres für immer schließen.

Als Grund für die Entscheidung nennt Lajsev die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ab Januar. Die Mindestmarke von 8,50 Euro pro Stunde bedeute für ihn eine zusätzliche Belastung von 1500 Euro pro Monat. Das sei bei einer ohnehin schon geringen Gewinnspanne in dem 150 Quadratemeter großen Laden nicht leistbar, sagt der 41-jährige Inhaber. Vergangene Woche habe er seinen 15 Mitarbeitern die Schließungspläne mitgeteilt.

Seit 16 Jahren öffnet Lajsev den Markt an der Guntershäuser Straße - sechs Tage in der Woche. Der Laden gehört zu Rengershausen fast wie der Kirchturm. Als Metzgermeister bietet er auch eine Theke mit frischem Fleisch an. „Wenn ich hier schließe, wird es so etwas kaum nochmal geben“, sagt er.

Frisches Obst: Nelli Luther arbeitet seit 13 Jahren in dem Markt. Seit einigen Tagen weiß sie: Ende des Jahres ist Schluss.

Vor allem für die älteren Menschen aus Rengershausen und dem Nachbarort Guntershausen ist das Geschäft, in dem sich zudem die Postfiliale befindet, ein täglicher Treff. „Manche kommen zwei- bis dreimal am Tag“, betont der Inhaber. „Es ist eine soziale Zusammenkunft. Wenn der Laden schließt, dann kann man hier die Bürgersteige abbauen.“

Makler Jörg Petersohn, der selbst in Rengershausen lebt, will es nicht soweit kommen lassen. Der 50-Jährige sucht nach einem Nachfolgemodell für den Edeka-Markt. Doch bislang zeichnet sich keine Lösung ab.

Mit der tegut-Kette habe er beispielsweise über das Lädchen-Konzept gesprochen, berichtet Petersohn. „Doch bis 2017 sind die ausgebucht.“ Bislang habe sich nur der Lebensmittelgroßhändler Hoppe aus Hann. Münden bereiterklärt, die Lieferung mit Ware für einen neuen Laden zu übernehmen. Und die Metzgerei Krug aus Baunatal würde die Fleischlieferung für eine neue Fleischtheke leisten. „Vielleicht sollte man einen Verein gründen“, sagt der Makler. Die Mitglieder könnten dann den Markt im Ort betreiben.

Auch Mitarbeiterin Nelli Luther hofft auf eine Lösung. Seit 13 Jahren sei sie in dem Markt beschäftigt, berichtet sie. „Es wäre schön für das ganze Dorf.“

Von Sven Kühling

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