Elmshagen: Eine der ältesten Kirchen Nordhessens wird saniert

Haben die Sanierung im Blick: Irmtraut Göbel, Vorsitzende des Kirchenvorstandes (von links), Pfarrer Stefan Weiß, Architekt Jürgen Rudolph und dessen Mitarbeiterin Petra Sölter. Foto: Kühling

Schauenburg. Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich der Spezialbohrer in das Gestein. Aus den zum Teil etwa 800 Jahre alten Mauern der Elmshagener Kirche entnehmen die Spezialisten der Firma Claus Ellenberger aus Herleshausen dann einen mehrere Zentimeter dicken Kern.

In das Loch wird später ein sieben Meter langer Befestigungsanker aus Stahl geschoben. Die Stabilisierung des bröckelnden Mauerwerks ist nur ein Teil der 590.000 Euro teuren Sanierung des Gotteshauses, das zu den ältesten in Nordhessen gehört.

Vieles an der kleinen Kirche mit dem mit Schiefer gedeckten Glockentürmchen, der mitten aus dem malerischen Ort Elmshagen herausragt, ist baufällig. Den Mörtel beispielsweise habe man an einigen Stellen komplett herausgeholt, berichtet Architekt Jürgen Rudolph (Niedenstein). Neues Fugenmaterial wurde in die Zwischenräume gepresst. Zudem wurden 97 Mauerwerksnadeln aus Edelstahl zur Stabilisierung in die Kirchenwände geschoben.

Ziel sei es, sagt Rudolph, das Mauerwerk möglichst in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. Gewollt sei es, dass die Kirche genauso schiefe Wände behalte, wie sie vor der Sanierung hatte.

Spezialbohrer im Einsatz: Bis zu sieben Meter tief geht die Bohrung von Dietmar Bachmann (vorne) und Tim Becker.

Die Renovierung des Gotteshauses in dem kleinsten Ortsteil der Gemeinde ist eine Mammutaufgabe. Ein Förderverein will zumindest einen Teil der Summe aufbringen. 15.000 Euro seien das Ziel, sagen Irmtraut Göbel, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, und Pfarrer Stefan Weiß. 7600 Euro haben die Elmshagener bereits gesammelt. 200.000 Euro erwartet der Kirchenvorstand von der Denkmalpflege, das restliche Geld komme aus unterschiedlichen Töpfen der Kirche zusammen. Wann die Kirche genau gebaut wurde, lässt sich heute nur noch schwer feststellen. Immer wieder seien Teile dazugekommen oder bereits erneuert worden, sagt Göbel. Es gebe romanische und gotische Einflüsse, das mache das Gebäude auch so interessant, ergänzt Architekt Rudolph.

Die Liste der Bauteile, die in den nächsten zwei Jahren ausgetauscht werden, ist lang. Komplett neu eingedeckt werde der Turm mit Schiefer, so Rudolph, das restliche Dach bekomme Biberschwanz-Schindeln. Und auch im Innern tut sich was: Eine neue Heizung und eine neue elektrische Anlage sollen 2014 installiert werden.

Trotz des hohen Aufwandes, die Kirchengemeinde kann nicht alles umsetzen. Im Innenraum seien Wandmalereien entdeckt worden, erläutern die Experten. Diese könne man allerdings mit Blick auf die Kosten nicht freilegen.

Übrigens: Bevor überhaupt nur ein Handwerker an der Kirche Hand anlegte, wurden alle Teile genau untersucht. Mit Kameras sind Experten tief ins Mauerwerk vorgedrungen und haben nach Hohlräumen gesucht. Jürgen Rudolph bringt es auf den Punkt: „Die Sache wird im Kleinen genauso wissenschaftlich betrachtet wie die Sanierung des Herkules.“

Fotos von der Sanierung der Kirche in Elmshagen

Sanierung der Kirche in Elmshagen

Von Sven Kühling

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