Kita-Streik: In Lohfelden und Fuldabrück gingen zahlreiche Familien auf die Straße

Eltern fordern Geld zurück

Protest vor dem Bürgerhaus in Lohfelden: Für nicht in Anspruch genommene Leistungen wollen Eltern, deren Kinder während des Streiks zu Hause betreut werden, ihr Geld zurück. Unser Bild zeigt die protestierende Gruppe und ihre Sprecherin Daniela Spohr (Zweite Reihe, Sechste von rechts) im Gespräch mit Gemeindevertretern. Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. „Geld zurück“: Mit dieser knappen, aber plakativen Forderung verlangten Eltern von Kindern, die während des Kita-Streiks in Lohfelden keine Notbetreuung in Anspruch nehmen, mit einer Protest-Aktion vor dem Bürgerhaus eine anteilige Rückerstattung der Kindergartengebühren. Der Protest richtet sich gegen eine Entscheidung des Gemeindevorstands, der Erstattungsforderungen zurückgewiesen hat.

Nach dem Protest vor dem Bürgerhaus zog die 45-köpfige Eltern-Kinder-Gruppe in den großen Saal des Bürgerhauses, um der Rückzahlungsforderung vor den Mitgliedern der Gemeindevertretung Nachdruck zu verleihen.

„Nur ein Drittel aller Kinder findet zurzeit einen Platz in den Kindertagesstätten, für alle anderen müssen die Eltern seit fast vier Wochen selbst eine Betreuungsregelung finden“, sagte Daniela Spohr. Die Sprecherin der protestierenden Eltern verwies auf Regelungen in anderen Gemeinden, wie auch in Kaufungen, in denen die Elternbeiträge für nicht in Anspruch genommene Betreuungsleistungen erstattet werden. Das sei nach der Rechtslage in Lohfelden ebenfalls möglich und inhaltlich begründbar.

Bürgermeister Michael Reuter bestätigte während der Sitzung, dass in allen Einrichtungen Notdienste angeboten werden. Betreut würden auf diese Weise in den örtlichen Kitas zurzeit 175 von 400 Kindern. Er habe an die Tarifparteien appelliert, die Verhandlungen unverzüglich fortzusetzen und den Tarifstreit zu beenden, sagte Reuter.

Wie die HNA erfuhr, hat sich die CDU dem Elternprotest jetzt angeschlossen. Ihre Fraktion habe beantragt, der Forderung nach anteiliger Erstattung der Betreuungsgebühren auf der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung zu entsprechen, sagte die Vorsitzende Birgit-Kaiser Wirz.

Fuldabrück: 80 Eltern

Auch in Fuldabrück machten Eltern ihrem Unmut am Rathaus Luft. Bei Uta Rieser, Manuela Klemm, Daniela Falinski, Birgit Meschkat und vielen anderen Müttern ist das Maß voll. Nichts gehe mehr, sagen sie, der Kita-Streik lege alles lahm, alle Ressourcen, Hilfen und Organisationskunststücke seien restlos ausgeschöpft.

„Jetzt muss etwas passieren“, sagte Rieser. Wie ihr Sohn Fin (4) sind weitere 300 Kinder der Gemeinde und ihre Eltern vom Streik der Kita Tausendfüssler in Dörnhagen betroffen.

Darum hatte Rieser zusammen mit anderen Müttern einen Gesprächstermin bei Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) eingefordert. Bei ihm machten die vier Frauen im Rathaus Druck, vor dem Rathaus hatten sich weitere 80 Eltern versammelt, um ihre Forderungen zu artikulieren.

Dabei ging es nicht nur um die unzumutbaren, wie es hieß, organisatorischen Probleme, die das ganze Familienleben ausbremsen, sondern auch um handfeste finanzielle Fragen. 300 000 Euro zahlen laut Lengemann alle Fuldabrücker Eltern für die Betreuung ihrer Kinder. „Wegen des Streiks wollen wir unser Geld zurück“, verlangte Uta Rieser. „Keine Leistung, keine Bezahlung“, brachte es die engagierte Mutter auf den Punkt.

Genau zu dieser Forderung wollte Dieter Lengemann keinerlei Zusagen machen ohne Rücksprache mit seinen Bürgermeisterkollegen, wie er erklärte. Ein Treffen werde in der kommenden Woche stattfinden. Dann müsse das Thema noch in der Gemeindevertretung behandelt werden. Der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) habe davon abgeraten, die Gebühren zu erstatten, berichtete er. (ppw/pom)

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