Siedlergemeinschaft Hohenkirchen liegt seit zehn Jahren mit einem Mitglied im Clinch

Endloser Zoff um die Orgel

Espenau. Es ist ein bizarrer Streit. Seit zehn Jahren liegen die Siedlergemeinschaft (SG) Espenau-Hohenkirchen und Mitglied Josef Müller im Clinch. Anlass ist die Nutzung und der Standort einer kleinen Heimorgel im heutigen Wert von 20 Euro. Daran drohte der Verein fast zu zerbrechen.

Es sind zehn Jahre voller Vorwürfe. Der Zwist füllt ganze Aktenordner. Auf der einen Seite steht der ehemalige Vorstand, auf der anderen Josef Müller – seines Zeichens Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Die Orgel wurde 1988 für die Frauengruppe der SG angeschafft. Sie steht seitdem in Müllers Keller. Dort, wo sich die Gruppe trifft und musiziert. 2001 verabschiedete der damalige Vorstand eine Erklärung. „Die Orgel ist Vereinseigentum und wird der Frauengruppe zur dauerhaften Nutzung überlassen“, heißt es im Sitzungsprotokoll. Ein Passus, auf den sich später Josef Müller berufen wird.

Heikel wird es zum ersten Mal 2003. Die damalige Orgelspielerin kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr musizieren. Für den Vorstand ist klar: Die Orgel wird somit nicht mehr genutzt. Er forderte das Musikinstrument zurück. „Die Orgel ist Vereinseigentum“, begründet er diesen Schritt. Müller reagiert nicht, denn er sieht sich im Recht. Die Orgel sei der Frauengruppe ja dauerhaft überlassen.

„Orgel ist Vereinseigentum“

Es ist der Startschuss für eine lange Auseinandersetzung. „Es geht uns nicht um den Wert der Orgel. Der beträgt vielleicht 20 Euro“, betonen Vorstandsmitglieder. Es gehe darum, dass es sich um Vereinseigentum handele.

Der Vorstand bringt das Thema Rückgabe der Orgel immer wieder auf die Tagesordnung. Die Verantwortlichen wissen die SG-Mitglieder hinter sich. Aber Müller hat alles ignoriert. Mit guten Worten war ihm nicht beizukommen, heißt es aus Vorstands-kreisen.

Die SG verzichtet auf rechtliche Schritte. Sie hofft auf Hilfe von außen, schaltet den Kreis- und Landesverband der Siedler ein. Auch die Verbände setzen auf eine gütliche Einigung. Ohne Erfolg. „Wir brauchten nicht reagieren. Wir hatten doch recht“, sagt Müller gegenüber der HNA.

Im März eskaliert der Streit: Laut Vorstand soll Müller angeboten haben, die Orgel nur an einen neuen Vorstand zurückzugeben. Der bisherige Vorstand ist entrüstet und tritt zurück. Als sich keine Nachfolger finden, steht die SG vor dem Aus, wird kommissarisch vom Kreisverband verwaltet. Die einzige Lösung ist der inzwischen erfolgte Zusammenschluss mit den Mönchehofer Siedlern zur SG Espenau. Damit schien der Weg für die Beendigung des Dauerstreits um die Rückgabe des Instruments frei zu sein. Aber Müller blockt weiter. Jetzt will er garantiert haben, dass die Orgel von einem Kind gespielt wird und nicht im Schuppen vergammelt. Das Thema ist damit noch längst nicht ausgestanden. KOMMENTAR

Von Anke Laumann

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