Nach dem Krieg gab es in der Volksschule keine Fremdsprache: Deshalb wurde privat gelernt

Englisch-Lektion auf der Treppe

Treffpunkt für Englisch: In diesem Haus in Großenritte unterrichtete Lehrerin Gisela Cavada privat die Fremdsprache. Unsere Autorin Ria Ahrend gehörte zu den Schülern. Fotos: Sammlung Ahrend/nh

Baunatal. Einige Wochen nach dem Einmarsch der Amerikaner hatte sich die Bevölkerung mit den Geschehnissen und neuen Begebenheiten abgefunden. Der Alltag kehrte wieder ein.

Die englische Sprache zu erlernen, kam nun verstärkt in Mode. Den Kindern in der Volksschule wurde angeraten, diese Sprache, die nur auf weiterführenden Schulen gelehrt wurde, zu erlernen.

Über Steg ins Haus

Ich zeigte sofort großes Interesse. Meine Eltern willigten ein, so dass ich privaten Unterricht bei der Lehrerin Gisela Cavada nehmen konnte. Noch mit weiteren Kindern im gleichen Alter sah ich der ersten Englischstunde freudig entgegen. Das Haus, am Sommerbach gelegen, gefiel mir sehr. Nur über einen kleinen Steg konnten wir das Gebäude erreichen, das so behaglich und heimelig wirkte.

Im Unterrichtszimmer, dem eigentlichen Wohnzimmer der Familie, stand eine Wand voller Bücher – davon war ich sehr beeindruckt. Unterrichtsbücher gab es natürlich keine.

Lehrbuch abgetippt

Die Lehrerin hatte für uns „lesson one to ten“ (Lektion eins bis zehn) fein säuberlich mit Durchschlägen auf der Schreibmaschine abgetippt, die Aufgabenstellung ebenfalls. Für mich war es schon faszinierend, eine andere Sprache zu hören, die zunächst so fremd erschien. Doch mit der Zeit kam sie mir fließender über die Lippen. An die Schreibweise, die doch so anders als die Sprechweise war, gewöhnte ich mich relativ schnell.

„A man has a pan“

Damals versuchte ich Kindern aus der Nachbarschaft, die nicht zum Unterricht gingen, Englischkenntnisse zu vermitteln.

Viele Jahrzehnte später erinnerte mich ein Nachbarskind daran: „Weißt du noch, als wir damals bei euch auf der Ladentreppe saßen und du uns Englisch beibringen wolltest?“ Tatsächlich, sie hatte diese Begebenheit nicht vergessen.

„A man has a pan“ (Ein Mann hat eine Pfanne) war einer der ersten Sätze, die ich in englischer Sprache hörte. Wohl dem, der damals ein solches Utensil besaß!

ZUR PERSON

Von Ria Ahrend

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