Geschwisterkinder aus Familien, die vom Kinderhospizdienst betreut werden, zeigten Zaubershow

Entfesselungstricks und Mentalmagie

Zauberlehrlinge: Frida (11, von links), Leander (8), Javid (8), Dawor (12), Tyler (8), Lotte (9), Lennox (9) und Leticia (10) begeisterten das Publikum unter anderem mit Entfesselungskünsten und Mentalmagie. Fotos: T. Hartung

Vellmar. Kinder, deren Geschwister lebensverkürzend erkrankt sind, müssen oft in vielen Dingen zurückstecken. In ihrem familiären Umfeld beherrschen meistens Rücksichtnahme, Angst und Trauer das tägliche Leben. Der Fokus liegt auf dem kranken Kind.

Nun standen die Geschwisterkinder der aus dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kassel betreuten Familien im Mittelpunkt. Zwölf Kinder standen im evangelischen Gemeindehaus in Obervellmar mit einer Zaubershow auf der Bühne und präsentierten ihren Eltern und Geschwistern allerlei Tricks. Zwei Tage lang haben die jungen Zauberkünstler gemeinsam mit Magier El Lobo (Horst Schönewolf) ihre Kunststücke geübt, bevor sie ihre Show präsentierten. Dabei standen sie den ganz großen Zauberern in nichts nach. Die Kinder ließen Elefanten verschwinden, zeigten Entfesselungstricks wie einst der bekannte Houdini und begeisterten die Zuschauer mit Mentalmagie. Am Ende der Vorstellung bekam jeder Zauberer eine Urkunde über seine magischen Kräfte.

Zum vierten Mal hatte Horst Schönewolf in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendhospizdienst Kassel einen Zauberkurs für Geschwisterkinder angeboten. „Damit wollen wir die gesunden Kinder für einige Stunden in den Mittelpunkt stellen“, sagte Schönewolf. Das steigere ihr Selbstwertgefühl. Zur Integration waren erstmals auch zwei Flüchtlingskinder beim Zauberkurs dabei, die mit ihren Familien im ehemaligen Hotel Rosengarten untergebracht sind. Während die meisten als Duo zauberten, traute sich Lotte (9) ganz allein vor das Publikum. Als Cat Lollipop brachte sie die Zuschauer mit atemberaubenden Tricks zum Staunen. „Vor meinem Auftritt war ich sehr aufgeregt“, sagte die Neunjährige.

Für Geschwisterkinder sei es sehr wichtig, mal aus ihrem Alltag herauszukommen, erklärte Monika-Elisabeth Verhülsdonk (Koordinatorin Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst). Aus diesem Grund werden die Geschwisterkinder auch einmal in der Woche von einem der zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter für Unternehmungen außerhalb der Familie abgeholt. Das gefällt nicht nur den Kindern. „Der Hospizdienst leistet tolle Arbeit“, findet Nadine Kastaun (33). Für ihren Sohn Tyler (8), der bei der Zaubershow einen Entfesselungstrick zeigte, sei es gut, mal für ein paar Stunden aus seinem Trauertrott herauszukommen, sagte die Mutter. Tylers Schwester kam todkrank zur Welt und ist im vergangenen Jahr, kurz vor ihrem ersten Geburtstag, gestorben. Durch den Zauberkurs, der in regelmäßigen Abständen stattfindet, haben Tyler und die anderen betroffenen Geschwisterkinder ihre Sorgen für ein paar Stunden vergessen. Dies war nicht der einzige Auftritt der Zauberkids. Das nächste Mal stellen sie ihre magischen Fähigkeiten im Juni bei einem Sommerfest unter Beweis.

Von Tina Hartung

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.