Erhöhung von 110 000 Volt-Leitung – Gremmels wirft Netzbetreiber Salamitaktik vor

Eon: War Missverständnis

Lohfelden. Eine „durchschaubare Salamitaktik“ hat der SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels dem Stromversorger Eon Netz (Bayreuth) bei der Erhöhung der 110 kV-Leitung bei Lohfelden vorgeworfen.

Eon habe zwar von der geplanten Erhöhung der Leistung auf der Trasse vorerst Abstand genommen, um die Bauarbeiten beenden zu können, behalte sich aber vor, zu einem späteren Zeitpunkt die Leistung zu erhöhen. „Ich wundere mich schon sehr über den scheinbaren Sinneswandel von Eon Netz“, sagte Gremmels.

Eon-Sprecherin Michaela Fiedler hatte Ende Januar der HNA erklärt, Eon Netz plane eine Erhöhung der Leistung. Künftig solle Strom in einer Stärke von 100 bis 500 Ampere durch die 110 000 Volt-Leitung zwischen Bergshausen und Niestetal geschickt werden. Bisher habe die Bandbreite darunter gelegen.

„Ich wundere mich schon sehr über den scheinbaren Sinneswandel von Eon Netz.“ Landtagsabgeordneter Timon Gremmels

Auch der Geschäftsführer von Eon Netz, Dietrich Max Fey, habe dem Abgeordneten laut Gremmels in einem Brief am 2. Februar mitgeteilt: „Durch die höhere Belastung unserer Leitungen dehnen sich diese etwas stärker aus, die Masterhöhungen stellen somit sicher, dass der vorgeschriebene Bodenabstand weiterhin eingehalten wird.“

Aus beiden Aussagen gehe deutlich hervor, dass eine Leistungserhöhung geplant war, meint Gremmels.

Das sieht man bei Eon Netz anders. Sie habe sich damals „missverständlich ausgedrückt“, sagte Eon-Sprecherin Fiedler nun der HNA. Es handele es sich um „ganz normale Instandhaltungsarbeiten“.

Die 110 kV-Leitung könne zurzeit nicht vollständig belastet werden, „da bei einer Vollauslastung die Bodenabstände der Leiterseile den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr entsprechen würden“, teilte Fiedler mit. „Eine wesentliche Veränderung an der Leitung findet nicht statt, da weder die Spannungsebene verändert noch die Leiterseile ausgetauscht werden. Sind diese Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen, kann die Leitung wieder die Menge an Strom transportieren, für die sie im Idealfall ausgelegt war“, meint die Eon-Sprecherin.

Schlecht informiert

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel als Aufsichtsbehörde hatte Ende Januar einen Baustopp erlassen, weil Eon Netz ohne Genehmigungsverfahren mit den Bauarbeiten begonnen hatte. Mitte Februar wurde der Baustopp aufgehoben, nachdem bei einer Überprüfung des Vorhabens festgestellt wurde, dass „keine Erhöhung der Übertragungsleistung“ geplant sei, so das RP. Sollte Eon Netz die Übertragungsleistung später doch erhöhen wollen, werde das Regierungspräsidium erneut prüfen.

Die Gemeinde Lohfelden fühlt sich von Eon Netz schlecht informiert. Eine ordnungsgemäße Beteiligung der Gemeinden habe nicht stattgefunden, kritisierte Bürgermeister Michael Reuter (SPD) in der Gemeindevertretung mit.

Von Holger Schindler

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