So pflückt man die Früchte am besten

Erdbeeren selbst pflücken: Das sind die schönsten Felder in der Region

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Zeit für Erdbeeren: Fast zehn Kilo hat Despina Adrian gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder auf dem Feld der Gärtnerei Gartenbau Bauer gepflückt.

Baunatal. Ab jetzt kann man auf vielen Feldern in Nordhessen und Südniedersachsen wieder selbst Erdbeeren pflücken. Ein Überblick auf schöne Felder und besondere Sorten.

Erdbeere ist Erdbeere. Wenn Frank Bauer diesen Satz hört, muss er grinsen. „Sagst du das über Männer auch?“, fragt er dann. „Mann ist Mann?“ Erdbeeren seien genauso individuell wie Menschen. Bauer steht in einem Erdbeerfeld zwischen Baunatal und Elgershausen, leicht gebückt, und fährt mit den Händen durch die Pflanzen. Mehr als 20 verschiedene Erdbeersorten haben er und seine Frau Claudia Bauer in ihrer Gärtnerei angebaut. Ab heute für mindestens drei bis vier Wochen - bei mehr Regen auch fünf bis sechs Wochen lang - kann man die Früchte hier direkt vom Feld pflücken: kleine und große, weiche und feste, süße und weniger süße, die einen kräftig, die anderen leicht im Geschmack. Ein Streifzug durch die Pflanzenreihen und man hat völlig unterschiedliche Früchte im Eimer.

Unter anderem an diesen Orten kann man in der Region Erdbeeren pflücken. 

Kennen Sie weitere schöne Felder in der Nähe? Dann schicken Sie uns Ihre Infos an online@hna.de.

„Aus dem Supermarkt ist man es heute gewohnt, dass Erdbeeren riesig sind und alle gleich schmecken“, sagt Claudia Bauer. Um den Ertrag zu steigern, würden immer größere Früchte gezüchtet: Sie lassen sich schneller ernten und dadurch günstiger verkaufen. Auch auf Bauers Feldern greifen die Menschen häufig zu den größeren Sorten. „Klar, damit hat man den Eimer schneller voll“, sagt Bauer. Größer sei aber nicht gleich besser: Die alten Sorten sind zwar klein, oft haben sie aber einen besonders intensiven Geschmack.

Gerade für Kuchen, Marmelade oder Bowle seien sie sehr gut geeignet, erzählt Bauer. Bei ihr gibt es diese Sorten noch, manche sind über 70 Jahre alt. Wer nach einer bestimmten Erdbeere sucht, wird hingeführt: vorbei am kleinen Hofladen, in dem man unterschiedliche Kartoffelsorten, geräucherten Knoblauch oder Wein kaufen kann, zwischen Gewächshaus und Scheune entlang. 

1938 eröffnet: Bis heute wird Gartenbau Bauer in Schauenburg betrieben.

Dass diese Gärtnerei Tradition hat, verraten die urigen Fensterläden, die alten Schubkarren, das urtümliche Scheunentor. Eröffnet wurde sie von Claudia Bauers Großvater im Jahr 1938. Einige Erdbeersorten, die er damals schon angebaut hat, wachsen noch heute auf diesen Feldern.

Geändert haben sich in all den Jahren allerdings die Kunden: Erdbeerpflücken sei für viele ein Event geworden. Sie schlagen sich den Bauch auf dem Feld voll, anstatt die Erdbeeren zu kaufen, erzählen die Bauers. „Für uns ist das ein Riesenproblem“, gibt Claudia Bauer zu. Kunden, die Erdbeeren kiloweise kaufen, um daraus Marmelade zu machen, das Mark einzufrieren oder sie direkt zu Kuchen oder Süßspeisen zu verarbeiten, seien heute eher älter, es würden immer weniger. Ihre Gärtnerei könnten die Bauers kaum halten, wenn Frank nicht noch im VW-Werk arbeiten würde. „Für mich ist es fast schon ein Hobby geworden“, sagt er.

Zwischen den Erdbeerpflanzen: Frank Bauer (rechts) und die Familie Adrian pflücken in der Morgensonne.

An einem Morgen ist eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern auf dem Feld: Irene Adrian mit Benedikt und Despina. Jeder hält einen Eimer in der Hand, immer wieder bücken sie sich, pflücken die roten Früchte. Sie lachen. „Die bisher fleißigste Familie hat zu fünft 30 Kilo Erdbeeren gepflückt“, erzählt Claudia Bauer. Und auch die Eimerchen von Benedikt und Despina sind schon gut gefüllt. Eine Stunde später werden sie fast zehn Kilo gesammelt haben - und Despinas Mund wird rot verschmiert sein vom Naschen. 

Tipps für die Erdbeerernte: Worauf es beim Pflücken ankommt

  • Am Hang von unten nach oben arbeiten: Am Hang sollte man unten mit der Ernte beginnen und sich nach oben vorarbeiten: Das schont den Rücken.
  • Breitbeinig über der Pflanze stehen: Am besten stellt man sich breitbeinig über die Pflanze, beugt den Rücken gerade nach unten und pflückt mit ausgestrecktem Arm. So hält man am längsten durch.
Von unten nach oben vorarbeiten: Claudia Bauer gibt Tipps für die Erdbeerernte.
  • Die Erdbeeren mit Stiel pflücken: Viele Erdbeeren haben am Stiel eine Sollbruchstelle, sagt Claudia Bauer. Am besten nimmt man die Frucht in die hohle Hand und bricht sie am Stiel ab. „Wer Erdbeeren ohne Stiel erntet, reißt gleich eine Wunde in die Frucht“, warnt Bauer. So dringt Sauerstoff ein, die Frucht ist nicht mehr so lange haltbar und blutet beim Waschen aus. „Am besten zieht man den Stiel erst nach dem Waschen und vor dem Verzehr ab.“
  • Zur richtigen Tageszeit pflücken: Je nach Erdbeersorte sollte man eine andere Tageszeit zum Pflücken wählen. „Manche Sorten schmecken morgens am besten, andere sollte man erst abends ernten“, erzählt Frank Bauer. Das sei genau wie bei den Menschen: Da gäbe es schließlich auch Morgenmuffel und Nachteulen. Am besten informiert man sich vor dem Pflücken über die beste Erntezeit für die Lieblingsbeere.
Nach der Ernte wird abgewogen: Auch im Hofladen der Bauers werden Erdbeeren angeboten.

Bei Gartenbau Bauer dürfen die Kunden gern durch das Feld streifen, die verschiedenen Früchte probieren und sich dann entscheiden, welche sie bevorzugen. Wir haben das gemacht: Von den Bauers haben wir uns besonders leckere Erdbeeren zeigen lassen. Diese Sorten sollten Sie probieren:

So unterschiedlich können Erdbeeren schmecken

Marie Charlotte

Robust und aromatisch: Marie Charlotte

Waldbeerig schmeckt auch die Marie Charlotte: eine robuste, hocharomatische Sorte, die aus Frankreich stammt. Sie zählt zu den mittelgroßen Erdbeeren, ist zweimal tragend und verlängert so die Erntesaison. „In der zweiten Ernte schmeckt sie sogar noch intensiver“, sagt Claudia Bauer.

Senga Sengana

Die Nummer eins in deutschen Gärten: Senga Sengana

Etwa 70 Jahre alt ist die Senga Sengana. In deutschen Gärten bis heute sehr beliebt. Sie ist dunkelrot, sehr süß und aromatisch. „Am besten schmeckt sie am Morgen, wenn sie noch nicht zu viel Sonne abgekriegt hat“, rät Frank Bauer.

Hummi-Gento

Groß und leicht im Geschmack: Hummi-Gento

Die Früchte der Hummi-Gento sind um einiges größer als die Senga Sengana. Dafür ist ihr Geschmack aber auch leichter. Gleichzeitig schmeckt sie fruchtig und süß. Auch die Hummi-Gento ist zweimal tragend. Bei der zweiten Ernte sind die Früchte kleiner, aber hocharomatisch.

Amandine

Groß und fruchtig: Amandine

Die Amandine ist eine große, ebenfalls zweimal tragende Erdbeere: fest, fruchtig und an diesem Tag ein wenig herb. „Sie hat heute noch nicht ihren typischen Geschmack“, wirft Frank Bauer ein.

Julietta

Riesig und süß: Julietta

Die Julietta ist sehr groß – von ihr kann man gleich mehrmals abbeißen. Sie schmeckt süß, allerdings etwas wässriger als die kleinen Sorten. Besonders gut geeignet ist sie für Saft und Marmelade.

Weiße Ananas

Ungewöhnlich hell: Weiße Ananas

Bereits vor 200 Jahren gab es in Frankreich eine Erdbeersorte namens Weiße Ananas. Der kleine Bestand heller Erdbeeren, den die Bauers angepflanzt haben, entspricht dieser Sorte zwar nicht genau, sie wurde aber in Anlehnung an diese uralte Sorte und unter ihrem Namen gezüchtet. Die Beeren sind tatsächlich weiß, sie haben rote Nüsschen und ihr Geschmack erinnert ein wenig an den von Ananas.

Bei Gartenbau Bauer kann man aktuell dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr und sonntags auf Anfrage Erdbeeren pflücken. Wie lange noch, können die Bauers nicht genau sagen. Bei sehr sonnigem Wetter ist die Saison schon in drei bis vier Wochen wieder beendet. Wird es etwas kühler und regnet es mehr, wachsen die Erdbeeren vielleicht sogar noch fünf bis sechs Wochen lang.

Rezept: Windbeutel mit Ricotta-Erdbeer-Füllung

Windbeutel mal anders: Gebäck mit leuchtend roten Früchten.

Zutaten: 

Für den Brandteig:

  • 125 ml Milch 
  • 150 ml Wasser 
  • 50 g Butter in Stückchen
  • Prise Salz 
  • 200 g Dinkelmehl 
  • eine Messerspitze Backpulver 
  • 4 Eier 

Für die Füllung: 

  • 50 g Ricotta 
  • etwas Honig 
  • Schale einer unbehandelten Zitrone 
  • 300 g Erdbeeren 

Zubereitung:

Für den Brandteig Milch mit Wasser, Butter und Salz in einem Topf aufkochen. Dinkelmehl und Backpulver vermengen und zur Milchmischung geben. Die Masse mit einem Holzkochlöffel so lange rühren, bis sich der Teigkloß vom Topf löst und am Topfboden einen weißen Belag bildet.

Teigkloß in eine Rührschüssel geben. Ein Ei dazugeben, mit Quirlen des Handrührgeräts unterrühren. Masse etwa zehn Minuten abkühlen lassen. Übrige drei Eier hinzufügen und sehr gut unterrühren. Fertigen Teig in einen Spritzbeutel geben, in gleichmäßiger Größe mehrere Tuffs auf ein Backblech spritzen und circa 18 Minuten backen.

Nach dem Backen im Ofen können die Windbeutel aufgeschnitten werden. Für die Füllung Ricotta mit Honig und Zitronenschale verrühren. Anschließend die Paste auf die aufgeschnittenen Windbeutel geben. Erdbeeren halbieren oder vierteln und oben auf der Paste verteilen. Windbeuteln ihren Deckel aufsetzen und verzehren.

Die Erdbeerbowle à la Hugo

Prickelt und erfrischt: Erdbeeren, Limetten und Minze werden für die Bowle mit Sekt aufgegossen.

Zutaten: 

  • 500 g Erdbeeren 
  • 175 ml Holunderblütensirup 
  • Saft einer Limette 
  • 2 weitere Bio-Limetten
  • einige Stiele Minze 
  • 500 ml kaltes Sprudelwasser 
  • 1 Flasche gekühlten Sekt 

Zubereitung:

Erdbeeren putzen und in Scheiben schneiden. Mit Sirup und Limettensaft 30 Minuten im Kühlschrank marinieren.

Limetten in dünne Scheiben schneiden und mit der Minze zu den Erdbeeren geben. Zum Schluss mit Wasser und Sekt auffüllen und sofort servieren.

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