Gutachten soll über Gefahren aufklären

Boden senkt sich über früherer Kaufunger Braunkohle-Zeche

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„Die flutscht rein wie Butter“: Jörg Sunkel, Verwandter der Kaufunger Familie, stößt eine meterlange Eisenstange problemlos in das Erdreich, das den über 30 Meter tiefen Schacht der früheren Zeche Freudental füllt. Bürgermeister Arnim Roß (links) und der Geologe Roland Schottes stehen vor dem Erdloch, das sich Ende Mai plötzlich im Vorgarten des Reihenhauses an der Niester Straße in Oberkaufungen gebildet hat. Hinter Roß ragt ein Rohr aus dem Boden, das in etwa die Mitte des runden Schachtes markiert. 

Kaufungen. Als die junge Mutter mit ihren beiden Mädchen auf dem Weg zum Kindergarten durch ihren Vorgarten geht, gibt plötzlich der Pflasterweg unter ihren Füßen nach und sackt nach unten durch. Das geschah am letzten Maitag dieses Jahres an der Niester Straße in Oberkaufungen.

Jörg Sunkel, Vater der Frau, legte die Senke unter dem Pflaster frei und machte eine beängstigende Entdeckung: Bei dem Loch handelt es sich um einen sogenannten Tagesbruch des früheren Braunkohle-Bergwerks der Zeche Freudental. Bis zum Jahr 1926 war hier ein knapp vier Meter durchmessender Schacht, der zwischen 30 und 40 Meter in die Tiefe reichte. Das haben spätere Untersuchungen des Bergamtes beim Regierungspräsidium und des Geologen Roland Schottes ergeben.

Inzwischen sind weitere Teile des Vorgartens abgesunken, die Gemeinde Kaufungen hat den Zugang zum Haus gesperrt, die Familie kommt nur noch durch die Hintertür in ihr erst 2012 erworbenes Reihenhaus.

Schacht 1907 gebaut

Warum es in dem Schacht, mit dem seit 1907 tiefer liegende Braunkohleschichten nordöstlich der Niester Straße erschlossen wurden, jetzt plötzlich massive Bodenabsenkungen gab, soll ein Gutachten klären. Bürgermeister Arnim Roß rechnet damit, dass es in der nächsten Woche vorliegen wird.

Erst dann sei auch eine Aussage möglich, ob es in dem ehemaligen Bergbaugebiet zwischen Zechenplatz, Niester Straße und Roßgang in Oberkaufungen die Gefahr weiterer Erdsenkungen gibt. Bislang hat es offenbar keine anderen gegeben, zumindest wurden dem Rathaus keine ähnlichen Vorfälle gemeldet.

Nach Auswertung der Untersuchung wolle er auch die Bewohner des Siedlungsbereichs über das „Phänomen“ informieren, kündigte Roß an.

Zunächst, so der Verwaltungschef, sei es darauf angekommen, die Sicherheit der betroffenen Familie sowie der nahen Straßen und Gehwege zu sichern. Die Eon habe kontrolliert, dass es zu keinen Schäden an den hier liegenden Gasleitungen gekommen ist. Bei einem Ortstermin mit dem Bergamt sei festgestellt worden, dass es sich bei dem Mauerrand der Einbruchsstelle tatsächlich um die Krone des Schachteinganges der damaligen Zeche Freudental handelt. Vater Jörg Sunkel äußerte sich besorgt, dass die Erdsenkung und ihre Folgen die junge Familie in den Ruin treiben könnten. Bürgermeister Arnim Roß sicherte eine Prüfung der Möglichkeiten zu, ob und in welchem Umfang die Gemeinde der Familie finanziell beistehen kann.

Boden senkt sich über früherer Braunkohle-Zeche

Kaufungen: Boden senkt sich über früherer Braunkohle-Zeche

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