Vor 18 Jahren war Hans-Hermann Trost als Ortsbrandmeister im Einsatz – Heute hält er Vortrag

Fuldatal: Erinnerung an Jahrhundertregen vom 25. April 1994

Überflutet: Die Veckerhagener Straße im Ortskern von Ihringshausen.

Fuldatal. „Es gibt Tage im Leben, die man nie vergisst“, sagt Hans-Hermann Trost. „Der 25. April 1994 war ganz sicher solch ein Tag.“ Und das nicht, weil der mittlerweile 68-Jährige an jenem Montag seinen 50. Geburtstag feierte. „Die Feier mit 200 geladenen Gästen fiel ins Wasser.“

Und das im wahren Sinn des Wortes. Denn am Nachmittag wurden die Menschen im Landkreis und der Stadt Kassel von einem Unwetter ungewöhnlichen Ausmaßes betroffen.

Bilder von damals

Jahrhundert-Regen in Fuldatal

Für den damaligen Ortsbrandmeister und rund 400 Helfer bedeutete dies stundenlangen Einsatz und Arbeit auf Hochtouren. Schließlich brachte das Unwetter kurzfristig über 1500 Schadensstellen in Fuldatal hervor, von denen 500 von den Feuerwehren direkt oder indirekt angegangen werden mussten.

Über die geleistete Arbeit der Rettungsdienste und der Nachbarschaftshilfe Fuldataler Bürger referiert der damalige Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Fuldatal heute, 18.30 Uhr, bei der vom Freundeskreis Historisches Ihringshausen organisierten Informationsveranstaltung „18 Jahre danach - Hochwasserkatastrophe in Fuldatal“ im Fuldataler Forum.

„Die Freiwillige Feuerwehr wurde seinerzeit ab 17.20 Uhr zum Einsatz gerufen“, erinnert sich Trost. „Dieser wurde zur größten Einsatzlage in der bisherigen Geschichte der Fuldataler Ortsteilwehren. Das Unwetter wurde zur großen Herausforderung und Bewährungsprobe für alle eingesetzten Feuerwehrangehörigen.“

Denn bei den sintflutartigen Regenfällen flossen innerhalb kürzester Zeit damals über 60 Liter Wasser pro Quadratmeter. Eine Wassermenge, die das vorhandene Kanalisationssystem komplett überforderte: Straßen verwandelten sich in reißende Gewässer, Schlamm- und Geröllbewegungen wurden in Gang gesetzt, Keller waren mannshoch vollgelaufen, und selbst Autos versanken in den Wassermassen.

„In drei Fällen war es nötig, in teils dramatischen Rettungsaktionen Menschen aus versinkenden Autos zu retten“, erinnert sich Trost an spektakuläre Aktionen wie die Rettung von Kindern durch das Schiebedach des Autos. „Es grenzt an ein Wunder, dass beim gesamten Unwetter niemand unmittelbar verletzt wurde.“ Beinahe im Sekundentakt seien Notrufe in der Alarmzentrale der Freiwilligen Feuerwehr Fuldatal eingegangen. „Es galt, diese nach Dringlichkeit zu filtern und zu beurteilen. Im Vordergrund stand dabei stets, Menschenleben zu retten. Überschwemmte Keller waren dadurch zunächst beinahe nebensächlich“, betont Trost und verweist auf einige heftige Diskussionen mit Hauseigentümern, die wegen ihres vollgelaufenen Kellers länger auf den Einsatz der Feuerwehr warten mussten. „Es ist wohl müßig, die Helfer mit unqualifizierten Schimpftiraden zu behelligen. Sie haben ihre Kräfte für andere Aufgaben nötig“, hatte Trost seinerzeit auch in einem im Fuldataler Amtsblatt veröffentlichen Brief den Bürgern mitgeteilt.

Termin: Vortrag „18 Jahre danach - Hochwasserkatastrophe in Fuldatal“ von Hans-Hermann Trost, am heutigen Freitag, 27. April, ab 18.30 Uhr im Fuldataler Forum.

Hintergrund

Schäden von über 10 Millionen D-Mark

Das Unwetter Ende April 1994 richtete bei der Gemeinde Fuldatal Schäden von über zehn Millionen D-Mark (5 Millionen Euro) an. Etwa die Hälfte der Summe entfiel auf die Kläranlage Simmershausen, die annähernd neu aufgebaut werden musste. Aber auch die Schäden an und in Privathäusern machten einen Millionenbetrag in D-Mark aus.

Um den durch Hochwasser geschädigten Menschen zu helfen, gab es mehrere Angebote durch die Gemeinde:

• So wurde unter anderem Sperrmüll kostenlos abgeholt oder konnte von den Betroffenen auf die Mülldeponie Kirschenplantage in Hofgeismar gebracht werden.

• Unbelasteter Bauschutt aus Hochwasserschäden konnte auf der Deponie in Weimar kostenlos angeliefert werden.

• Finanziell half die Gemeinde jenen, die am Unwetterabend ohne Vermittlung der Wehr Entsorgungsfirmen zum Abpumpen von Wasser und Öl beauftragten. (mic)

Von Martina Sommerlade

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